• vom 08.05.2012, 16:36 Uhr

Leitartikel

Update: 08.05.2012, 16:49 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

EU - The Next Generation


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Am 9. Mai 1950 hielt Frankreichs Außenminister Robert Schuman eine Rede, in der er die Gründung einer Kohle- und Stahlgemeinschaft in Europa vorschlug. Es war die Geburtsstunde der EU. Am 8. Mai gedachte Österreich der Befreiung von der Nazi-Herrschaft. 6 Millionen ermordete Juden, davon 1,5 Millionen Kinder - das 20. Jahrhundert wurde das "Jahrhundert der Wölfe" genannt. Daran sollte in der Tat gedacht werden, wenn die EU in diesen Mai-Tagen wieder einmal auf das scheinbar unregierbar gewordene Griechenland schaut. Und sie wäre gut beraten, sich den nächsten Schritt zu überlegen. Denn Griechenland ist auch unregierbar, weil es keine europäische Regierung gibt, keine politische Union. Wenn Regierungschefs nun den Frieden in Europa preisen, sollte ihnen klar sein, dass sie jene Politikergeneration sein sollten, die den nächsten Schritt zur Vertiefung Europas geht.

Werbung

Denn die Zeit wird langsam knapp, die Ungleichgewichte in Europas Wirtschaft und die Finanz- und Schuldenkrise schwemmen erneut radikale Kräfte nach oben. Auch Adolf Hitler wurde erst durch eine - wenngleich halbfreie - Wahl an die Macht gespült. Wenn Europas Politik die Krise also beenden will, muss sie das Diktat der bald 28 Nationen über die EU beenden. Es bleibt ihr auch gar nichts anderes übrig. Mit Ausnahme der Schweiz und Norwegens sind alle reichen Länder Europas bereits in der EU. Jede Erweiterung bringt potenzielle Problemländer in die EU, doch die Balkanstaaten nicht aufzunehmen wäre töricht und dem europäischen Gedanken fremd.

Und da die EZB nicht beliebig viel Geld drucken kann, damit Staaten ihre Rechnungen und Gehälter bezahlen können, braucht es eine politische Klammer, die stärker ist als regelmäßige Sitzungen der Regierungschefs. Es kann nicht sein, dass Großbritannien aus purem Eigeninteresse die notwendige Banken-Regulierung blockiert. Und es kann nicht sein, dass nur Deutschland, Österreich und Polen über leistungsfähige Produktionsbetriebe verfügen. Europa braucht eine gemeinsame Politik, die über die Sonntagsreden des Kommissionspräsidenten hinausgeht.

Wenn die Regierungschefs das nicht kapieren, dann werden der 9. Mai und Schuman zur Folklore werden, und aus dem reichsten Gebilde der Welt wird eine Ansammlung von semi-demokratischen Zwergen, die den globalen Anforderungen hilflos gegenüberstehen und die Freiheit geringschätzen.




Schlagwörter

Leitartikel, Reinhard Göweil, EU

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-08 16:41:09
Letzte Änderung am 2012-05-08 16:49:42


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter

Reinhard Göweil Großkonzerne wie Apple, Amazon oder Microsoft zahlen wenig bis gar keine Steuern. Die mannigfaltigen, völlig legalen Steuerausnahmen gepaart mit...weiter

Walter Hämmerle. Die Nachricht von der Bespitzelung kritischer US-Journalisten durch die Obama-Administration wurde in den meisten europäischen Medien mit einem...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter



Werbung




Am Vorabend des Life Balls fand sich bereits Prominenz ein: das Burgtheater lud zum Red Ribbon Celebration Concert, bei dem sich zahlreiche Künstler wie die Operndiva Anna Netrebko (im Bild mit Piotr Beczala),

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung