• vom 11.05.2012, 17:25 Uhr

Leitartikel

Update: 14.05.2012, 17:12 Uhr
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Hilfe, Griechenland...


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

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Wer die Griechen als undankbar erlebt, sollte sich anschauen, was mit der Finanzhilfe bisher geschehen ist. Der dreistellige Milliardenbetrag lief erstens in eine Umschuldung und zweitens in die Finanzierung der griechischen Staatsschuld. In Griechenland selbst ist - zur Ankurbelung der Wirtschaft - kein einziger Euro angekommen. Für die Geberstaaten wie auch Österreich ist die Griechenland-Hilfe bisher auch ein Geschäft in Form von kassierten Zinsen.

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Dass die Bürger des südeuropäischen Landes dagegen revoltieren, sollte daher kein Wunder sein. Denn deren Perspektive liest sich an folgenden Zahlen ab: Die Wirtschaft schrumpft heuer (das dritte Jahr in Folge) um 5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 22 Prozent, das ist fünfmal so hoch wie in Österreich. Und mehr als 35 Prozent der Steuereinnahmen müssen für die Bedienung der Schulden aufgewendet werden. 1,5 Millionen Griechen, das sind 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, wollen die großen Städte wie Athen und Thessaloniki verlassen und in die Landwirtschaft gehen - eine Stadtflucht, wie sie Europa lange nicht mehr gesehen hat.

Nun kann eingewendet werden, dass die Griechen zu lange Party gefeiert haben und nun die Rechnung präsentiert bekommen. Das enthebt Europa aber nicht der Verpflichtung, dem Land wieder auf die Beine zu helfen. Dazu gehören auch die Bestrafung korrupter Politiker und ein Ende des Volkssportes Steuerhinterziehung.

Vor allem aber ist massive finanzielle Hilfe nötig - und zwar als Wirtschaftsförderung, nicht als Bankenrettungspaket. Es sollte Europa auch nicht egal sein, dass sich China dort Häfen kauft. Diese Stunde der Solidarität kommt, wenn Griechenland aus der Euro-Zone "beurlaubt" wird und die Drachme wieder einführt. Dann können die Euro-Schulden des Landes tatsächlich nur noch abgeschrieben werden. Dann wird es jene Milliardenausfälle geben, vor denen ausgerechnet jene Politiker warnen, die Griechenland aus der Eurozone schmeißen wollen. Aber diese Milliarden werden dann - über das entlastete Budget - endlich den Griechen selbst zugutekommen.

Die dritte Möglichkeit, dass Griechenland seine Euro-Schulden mit der neuen Drachme bezahlt, ist hirnrissig. Diese Währung wird zum Euro wenigstens 50 Prozent abwerten. Für die Griechen wäre die Rückkehr der Drachme eine echte Hilfe, für die Eurozone allerdings ein Hammer.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-11 17:32:04
Letzte Änderung am 2012-05-14 17:12:33


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