• vom 17.05.2012, 17:03 Uhr

Leitartikel

Update: 17.05.2012, 20:06 Uhr
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Die 1-Billion-Euro-Frage


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Griechenlands Austritt aus der Eurozone könnte bis zu 1000 Milliarden Euro kosten, befürchten britische Experten. Das wiederum würde die Eurozone insgesamt ins Wanken bringen. In Griechenland heben immer mehr verunsicherte Sparer ihre Euro-Guthaben ab und legen sie unter die Matratze. David Cameron macht sich laut und scheinheilig Sorgen um den Euro (und sollte dafür genauso durch den Kakao gezogen werden wie Finanzministerin Fekter).

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Die 1-Billion-Euro-Frage lautet derzeit offensichtlich: Wird der Euro die Krise überleben?

Nun, warum nicht? Europa braucht in jedem Fall ein Zahlungsmittel, ein gemeinsames ist sicher nützlicher als 17 kleine. Offen ist indes, ob sich alle Länder den Euro leisten können. Spanien musste gestern für eine vierjährige Anleihe mehr als fünf Prozent Zinsen auf den Tisch legen. Das ist kein Dauerzustand.

Auch wenn es schon mehrmals konstatiert wurde, die Antwort kann nur ein vereinigtes Europa sein. Das wird zwar mittlerweile flächendeckend postuliert, aber es wird auch immer dazu gesagt, dies sei derzeit nicht umzusetzen.

Eine verhängnisvolle Einschränkung, denn der Eurozone läuft die Zeit davon.

Seit zweieinhalb Jahren wird diskutiert, und werden Rettungsschirme aufgespannt. Mit dem Fiskalpakt und den sich darum gruppierenden Vereinbarungen gibt es ja auch echten Fortschritt im Zusammenschluss der Eurozone. Indes, das genügt nicht. Die hohen Zinsen für Spanien beweisen dies.

Es wird erst Ruhe einkehren, wenn die nationalen Regierungen in ihrer Entscheidungsfreiheit weiter eingeengt werden, und es - wie in den USA - einen Euro-Finanzminister gibt, der für alle spricht. Und wenn es ein gemeinsames Finanzierungsinstrument für die Staatsschulden, die Eurobonds, gibt. Und wenn es europaweite Steuerungsinstrumente für die industrielle Entwicklung gibt, und auch eine Harmonisierung von Steuern.

Wer dies in dieser Situation noch als Utopie abtut, der arbeitet kräftig an der weiteren Destabilisierung der Eurozone mit. Europa muss seine Ungleichgewichte abbauen, derzeit vergrößern sie sich. Erst wenn die Eurozone den Schalter auf politische Union gelegt hat, dann kann darüber nachgedacht werden, den Schuldenabbau zeitlich zu strecken. Das wäre kein Beinbruch, denn wirtschaftlich ist die EU stärker als die USA.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-17 17:08:05
Letzte Änderung am 2012-05-17 20:06:55


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