
Die Begleitgeräusche des EU-Treffens in Brüssel zeigen sehr deutlich, dass es ohne eine (mit Kompetenzen ausgestattete) europäische Regierung keinen Fortschritt geben kann. Jeder Regierungschef hat die nationale Politik im Gepäck nach Brüssel mitgenommen, was Einigungen erschwert.
Beispiele gefällig? FDP-Chef Philipp Rösler richtet der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor deren Abflug nach Brüssel aus, dass es keine Eurobonds - sprich: gemeinsame Schuldenfinanzierung - geben dürfe. Genau diese will der neue französische Präsident François Hollande, der Sozialist muss aber erst die Parlamentswahlen im Juni gewinnen.
In Österreich war Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) erst kurz vor dem Treffen umzustimmen, für die geplanten Projektbonds einzutreten. Damit wiederum sollen große Infrastruktur-Vorhaben ermöglicht werden.
Die niederländische Regierung ist auf Abruf, Griechenland weiß selbst nicht, wie es weitergeht; dem spanischen Regierungschef setzt die enorme Jugendarbeitslosigkeit schwer zu. Und der interne "Rufer von außen", der britische Regierungschef David Cameron, hat auch schon bessere Zeiten gesehen.
Oberflächlich betrachtet scheint es unmöglich, dass sich ein so inhomogener Haufen auf irgendetwas einigen kann. In Wahrheit ist es auch so. In normalen Zeiten gleicht die wirtschaftliche Dynamik dies allerdings weitgehend aus. In Krisenzeiten geht das nicht mehr.
Wirtschaftlicher und politischer Stillstand sind ein giftiges Gemisch - Europa erlebt es gerade. Das jetzige Treffen in Brüssel war kein Beschluss-Gipfel, sondern ein offener Austausch von Ideen.
Der Clou dabei: Die meisten Ideen liegen längst auf dem Tisch. Es geht nun darum, die Änderungen endlich auf die Reise zu bringen. Optimistisch darf stimmen, dass sich die Europäische Union nur in Zeiten schwerer Not weiterentwickelt, nie davor.
Die Gespräche über Eurobonds, eine Finanztransaktionssteuer, eine gemeinsame Außenvertretung, die Harmonisierung von Steuern oder die Öffnung von reglementierten Märkten gehen in die richtige Richtung. Aber: Wird die Zeit reichen? Europa muss sich sputen. Dem Satz "Es gibt keine Tabus" muss der Tabubruch bald folgen.
Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter
Die Nachricht von der Bespitzelung kritischer US-Journalisten durch die Obama-Administration wurde in den meisten europäischen Medien mit einem...weiter
Großkonzerne wie Apple, Amazon oder Microsoft zahlen wenig bis gar keine Steuern. Die mannigfaltigen, völlig legalen Steuerausnahmen gepaart mit...weiter
Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter