• vom 08.06.2012, 17:16 Uhr

Leitartikel

Update: 11.06.2012, 13:41 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (5)
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Fekter und der Polit-Frust


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Die Finanzministerin hat sich wieder einmal selbst ohne Not in Bedrängnis gebracht. Die Abberufung von Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm aus dem Generalrat der Nationalbank war ausschließlich parteipolitisch motiviert - und riss die Nationalbank unvermutet und ohne ihr Zutun in tiefe innenpolitische Senken.

Werbung

Wobei die Sache mehr als unangenehm ist, denn ein Minister ist dazu da, die Gesetze des Landes zu exekutieren. Das dazugehörige Nationalbank-Gesetz aus dem Jahr 2011 spricht aber eine andere Sprache. Der durchaus einflussreiche Aufsichtsrat der Währungshüterin Nationalbank soll bis 2013 auf zwölf Mitglieder, bis 2015 auf zehn Mitglieder verkleinert werden. Durch die Abberufung Muhms besteht der Generalrat derzeit aus elf Mitgliedern - das widerspricht dem Sinn des Gesetzes.

Und: Nicht ersetzt werden sollten eigentlich die gewählten Mitglieder, das sind jene Banker und Sozialpartner, die ihre Anteile an der Nationalbank an die Republik verkauft haben. Nun hält der Staat 100 Prozent der Nationalbank-Anteile. Im Mai 2013 scheiden demnach Markus Beyrer (Industrie), Elisabeth Gürtler (Hotel Sacher) und Anna Maria Hochhauser (Wirtschaftskammer) aus dem Gremium aus. Alle drei sind der ÖVP zuzuordnen, also musste vorher Werner Muhm gehen. Denn der Ökonom zählt zur SPÖ und berät Kanzler Werner Faymann. Nur: Muhm gehört nicht zum Kreis der gewählten Mitglieder, hätte also problemlos verlängert werden können. Auch hier wurde dem Geist des Nationalbank-
Gesetzes nicht entsprochen.

Nachdem sogar Maria Fekters Parteikollege und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl die Abberufung Muhms kritisierte, verwies das Finanzministerium auf die vorgesehene Verkleinerung des Kontrollgremiums.

So etwas nennt man Irreführung der Öffentlichkeit. In deutschen Medien würde ein Minister dafür durchaus zum Rücktritt aufgefordert werden. Nicht so im gemütlichen Österreich. In Sachen Nationalbank wird wohl ein schonender Kompromiss gefunden werden.

Und doch beschreibt das Beispiel exemplarisch die Gründe für die Politik-Verdrossenheit: Gesetze sind für Minister dehnbar, die Partei ist wichtiger; Machterhalt zählt, Sachverstand rangiert dahinter. Mehr noch als nicht durchgeführte Reformen ist es diese Art der Packelei, die immer mehr Bürgern auf den Geist geht.




5 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-08 17:23:07
Letzte Änderung am 2012-06-11 13:41:50


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Walter Hämmerle. Wir Menschen sind Mängelwesen. Leider nicht nur in moralischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf unsere körperliche Hinfälligkeit...weiter

Reinhard Göweil Während die SPÖ noch versucht, in die Gänge zu kommen, macht die ÖVP bereits voll in Optimismus für die kommende Nationalratswahl...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Reinhard Göweil Die "Westliche Honigbiene" (im Titel ihre wissenschaftlich korrekte Bezeichnung) ist ein Symbol für Fleiß und die Bildung eines arbeitsamen...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung