• vom 20.06.2012, 16:27 Uhr

Leitartikel

Update: 20.06.2012, 16:41 Uhr
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Finanz und Industrie


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

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Die Banken sind - vom industriellen Maßstab aus betrachtet - ziemlich ineffiziente Gebilde. Wenn die Voestalpine so arbeiten würde, wäre sie längst pleite. Das ist keine Banker-Schelte, sondern die Beschreibung einer unterschiedlichen Entwicklung.

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Gleichzeitig ist festzustellen, dass sich Europa seit Ende 2007 mit immensem Aufwand bemüht, seine Banken vor dem Ruin bewahren. Vergleichbare Anstrengungen bei der Industrie sind nicht festzustellen. Die Industrie ist es seit Jahr und Tag gewohnt, mit behördlichen Auflagen zu leben: Von der gewerberechtlichen Genehmigung über Produkt-Vorschriften bis zu Emissions-Messungen reicht der weite Bogen an staatlichen Vorschriften. Bei den Banken gibt es - trotz mehrjähriger Verhandlungen - so etwas nicht einmal im Entferntesten.

Diese nüchterne Analyse wird indes kaum ernsthaft betrieben, weil Banken ihre Tätigkeit gerne mit weltanschaulichen Überzeugungen verknüpfen. Dass Geld so etwas wie eine Ersatz-Religion wurde, kam den Banken dabei durchaus zupass.

Nun wird über eine Banken-Union in Europa debattiert und über eine Finanz-Transaktionssteuer. Und auch jene Banken, die sich mit Staatsgeld retten ließen, erklären, dass dies alles nicht geht - es würde das Geschäftsmodell zerstören.

Auf die Idee, dass das jetzige Geschäftsmodell keine Zukunft hat, kam bisher kaum jemand in der sogenannten Finanz-Industrie. Allein aus diesem Grund ist eine Finanz-Transaktionssteuer goldrichtig. Es geht dabei darum, toxische Papiere zu besteuern - so wie die Emissionen der Industrie.

Und mit diesem Geld - konservative Schätzungen reichen angesichts der hohen Umsätze in diesem Geschäft von 50 bis 80 Milliarden Euro jährlich - muss es ein Wachstums-Programm für Europa geben. Keine Budgetsanierung, diese zusätzlichen Steuern müssen möglichst effizient eingesetzt werden. Ersatzlos gestrichen werden kann diese Finanztransaktionssteuer erst dann, wenn die europäischen Bankenverbände gemeinsam erklären, dass die hohe Jugendarbeitslosigkeit in der EU unerträglich ist, und sie sich überlegen, mit welchen Finanzprodukten diese reduziert werden kann. Bis dahin sollen die Banken zahlen - und sich dieselbe Behandlung gefallen lassen wie die europäische Industrie.




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Leitartikel, Reinhard Göweil

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-20 16:32:05
Letzte Änderung am 2012-06-20 16:41:56


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