• vom 26.06.2012, 17:05 Uhr

Leitartikel

Update: 26.06.2012, 17:42 Uhr
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Der Europa-Politiker


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Politiker vom Format Wolfgang Schäubles gibt es in Europa wenige. Jean-Claude Juncker vielleicht noch, aber Luxemburg tut sich eindeutig leichter als Deutschland. Der deutsche Finanzminister ist als Politiker von einer Erkenntnisfähigkeit, die bewundernswert ist.

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Wäre Schäuble Regierungschef, so die These des Leitartikels, wäre Europa auf dem Weg zur politischen Union mindestens ein Jahr weiter. Schäuble ist damit ein Barometer: Würde er aufhören, wäre es mit dem Euro vorbei. Und dann hätten die mit Scheuklappen ausgestatteten deutschen Bundesbanker freie Fahrt. Jedes Fiakerpferd in Wien hat einen weiteren Horizont als die Falken in der Wilhelm-Epstein-Straße in Frankfurt. Dort sitzen allerdings - Unabhängigkeit hin oder her - von Kanzlerin Angela Merkel entsandte Berater.

Schon rund um die Einführung des Euro fand Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für Wiener Begriffe endgültige Worte für den damaligen Chef der Deutschen Bundesbank. Der später von der Bundesbank entsandte Chefökonom Jürgen Stark trieb - mit deutscher Macht im Hintergrund - die Europäische Zentralbank mitten in der Krise (bis 2011) in sinnlose Zinserhöhungen. Ende 2011 trat Stark beleidigt zurück. Dass er Europa und jeden seiner Bürger Milliarden gekostet hat, kratzt ihn nicht.

Wenn Deutschland die Hegemonialmacht Europas ist und die dortige Zentralbank den Kurs bestimmt, endet das irgendwann in einem Crash. Schäuble hat das erkannt, früh erkannt. Er treibt bei den einflussreichen EU-Finanzministertreffen voran, was Merkel beim EU-Gipfel so eigentlich nicht haben wollte - mit großem Geschick und der Hilfe von Freunden wie dem Luxemburger Ministerpräsidenten Juncker. Schäuble hält die Dogmatiker der Bundesbank in Schach, was im EZB-Rat allen anderen Mitgliedern, egal ob aus Österreich oder Italien, das Leben leichter macht.

Wenn am Stammtisch im Innviertel geschimpft wird, dass die Griechen oder Zyprioten ihren Pallawatsch alleine lösen sollen, dann steht Schäuble für das gegenüberliegende Ende dieser Debatte. Es ist Europa zu wünschen, dass sich Schäuble am Ende durchsetzt. Alles andere können wir uns nämlich schlicht und ergreifend nicht leisten - und die Konsequenzen daraus würde auch der Stammtisch im Innviertel nicht tragen wollen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-26 17:11:16
Letzte Änderung am 2012-06-26 17:42:54


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