• vom 04.07.2012, 18:25 Uhr

Leitartikel

Update: 05.07.2012, 07:33 Uhr
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Leitartikel

Rotchina muss grün werden


Von Thomas Seifert

Rauchende Schlote, boomende Fabrikstädte - Symbole von Aufstieg, Wachstum und Fortschritt. Die Bilder von heroischen Proletariern und ihren Werkzeugen und Maschinen kennt man von alten chinesischen Propagandapostern. Doch diese Motive sind im Reich der Mitte out und zwar schon lange.

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Nach Jahrzehnten des halsbrecherischen Wachstums um jeden Preis verlangt die urbane Mittelschicht nach sauberer Luft, sauberem Wasser und ein klein wenig Lebensqualität.

Thomas Seifert.

Thomas Seifert. Thomas Seifert.

Erst am Mittwoch haben sich Umweltaktivisten in der Stadt Shifang durchgesetzt und erfolgreich den Bau einer umweltverpestenden Kupferraffinerie verhindert. Organisiert haben sich die Demonstranten mit dem vor allem bei jungen Leuten sehr populären Mikro-Blog-Dienst Weibo, der in der Funktion dem Internet-Nachrichtendienst Twitter entspricht. Die lokalen Behörden haben zuerst mit Härte reagiert, es kam zu Ausschreitungen und Festnahmen, die Polizei schien aber am Mittwoch einzulenken und damit war der bereits dritte Sieg chinesischer Umweltaktivisten im Kampf gegen ungeliebte Großprojekte perfekt.

Und während Engagement zu den Themen Tibet, Xinjiang, Redefreiheit oder Menschenrechte Aktivisten ganz schnell hinter Schloss und Riegel bringen kann, findet etwa die Umweltorganisation Greenpeace bei ihrer Arbeit im Pekinger Büro Freiräume vor, von denen Menschenrechtler nur träumen können.

Die Regierung scheint nämlich auf dem Umweltsektor langsam dazuzulernen: Denn Wachstum, das auf hemmungsloser Ausbeutung der Ressourcen und auf Umweltzerstörung gebaut ist, ist eine reine Chimäre. Die Reparatur der Umweltschäden, davor hat der damalige der mutige chinesische Vizeumweltminister Pan Yue schon 2005 in einem "Spiegel"-Interview gewarnt, könnte die Wachstumsfortschritte völlig zunichtemachen. Pan Yue war der chinesischen Führung dann aber wohl doch zu grün und verschwand von der Bildfläche, in Chinas 12. Fünfjahresplan (2011 bis 2015) ist aber dann doch von "nachhaltigem Wachstum" und vom Schutz der Umwelt die Rede. China ist mittlerweile der wichtigste Produzent von Solarzellen und Elektrofahrrädern, Umwelttechnik ist ein boomender Industriezweig im Reich der Mitte. Dass das Rote China grüner werden muss, scheint immer mehr Parteikadern zu dämmern.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-04 18:32:07
Letzte Änderung am 2012-07-05 07:33:54


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