• vom 13.07.2012, 18:33 Uhr

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Update: 13.07.2012, 18:59 Uhr
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Das globale Zinsspiel


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

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Den Zinssatz "Libor" (London inter-bank offered rate) kennt kaum ein Mensch, obwohl hunderte Millionen Menschen an ihm hängen. Finanzprodukte im Ausmaß von 800 Billionen Dollar (ja, das ist die Zahl) hängen über Kredit- und Sparverträge sowie Wertpapiere an diesem Zinssatz - auch in Österreich. Nun hat sich vor kurzem herausgestellt, dass einige wenige Großbanken diesen Zinssatz zu ihren Gunsten manipulierten, weil er mit deren Angaben errechnet wird. Nun ermittelt die EU-Kommission wegen unerlaubter Kartellabsprachen, und auch die großen Zentralbanken der Welt begannen mit Untersuchungen im verschwiegenen Zinsgeschäft.

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Für das globale Bankensystem könnte das ein enormer Schlag werden, erste Grobschätzungen sprechen von Schadenersatzzahlungen an Kunden in Höhe von mehr als fünf Milliarden Euro. Zyniker meldeten sich zu Wort und meinten, dass sich diese Banken dann halt von den Steuerzahlern retten lassen würden.

Und genau das ist die Gefahr bei der Sache. "Das verrottete Herz der Hochfinanz", schrieb jüngst der "Economist". Und die Enthüllungen seither zeigen ein noch verrotteteres Bild. Banken in Europa, den USA und Japan scheinen sich an den Absprachen von Zinssätzen beteiligt zu haben.

Die Spekulation der Banken gegen Euroländer; die Preisspekulation der Banken mit Lebensmitteln; das ständige Erfinden neuer, teilweise abstruser Derivativ-Instrumente - und dazu die vierstelligen Milliardenbeträge aus Steuertöpfen, die seit 2008 in die Rettung des Bankensystems geflossen sind. Nun die Tricks bei den wichtigsten Zinssätzen der Geldmärkte.

Das Image der Banken wird - soweit dies möglich ist - noch weiter in den Keller rutschen. Damit könnten Banker vielleicht noch leben. Ein Bonus in Millionenhöhe mag den Mangel an Sozialprestige aufheben.

Doch die Banker erweisen sich als nicht besonders weitsichtige Manager - eine schlimme Sache für jemanden, der davon lebt, das Geld fremder Leute zu verwalten. Mit dem Libor-Skandal wird es den Regierungen und der EZB schwer gemacht, die Bankenrettungsprogramme vor den Bürgern zu rechtfertigen. Und so sicher, wie der Herbst auf den Sommer folgt, wird das Banken-System weitere Unterstützung benötigen. Die Wut der Bürger auf die Banken wächst mit jedem Skandal und jeder Finanzhilfe - keine gute Basis für eine dauerhafte Geschäftsbeziehung.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-13 18:38:09
Letzte Änderung am 2012-07-13 18:59:50


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