• vom 03.08.2012, 19:00 Uhr

Leitartikel

Update: 03.08.2012, 19:05 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Der Umgang mit EU-Mitteln


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Gerne wird auf Griechenland geschimpft, auch auf Italien. Dort würden EU-Mittel mit beiden Händen für sinnlose Projekte hinausgeschmissen. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, heißt es, und daher lohnt sich der Blick auf den Rechnungshofbericht zum EU-Förderprogramm "LEADER". Es soll den ländlichen Raum unterstützen und in agrarischen Gebieten innovative Projekte umsetzen helfen.

Werbung

Nun hat der Rechnungshofbericht nicht nur ergeben, dass es für einen Teil der dafür aufgewendeten Mittel nicht nur keine Rechtsgrundlage in Österreich gibt, sondern es wurde schlicht der Zweck des Förderprogramms verfehlt. Seit 2007 liefen vier Milliarden Euro (je zur Hälfte von EU-Töpfen und heimischem Steuergeld direkt) in diese Projekte. Nach Ansicht des Rechnungshofes gab es allerdings keine positiven Effekte auf dem Arbeitsmarkt, und auf Innovation wurde bei Auswahl der Projekte wenig Wert gelegt. Auch bei Frauen-Projekten (Gleichstellung ist ebenfalls Anliegen des Programms) gab es "ein nur sehr geringes Problembewusstsein".

Der Agrar Markt Austria (AMA) wurde heftiges Versagen bei der Kontrolle der Mittel und Projekte vorgeworfen, in etlichen Fällen waren Auftraggeber und Auftragnehmer der Förderung ident.

Recht viel vernichtender kann eine Kritik nicht ausfallen, doch was wird passieren? Nichts. Das Landwirtschaftsministerium hat mit ein paar Stehsätzen die Kritik zurückgewiesen. Der Bericht wird in der Schublade verschwinden, obwohl angeblich 741 Millionen Euro zu viel ausgegeben worden waren.

Mit der EU-Förderung hätten in ländlichen Gebieten Kinderbetreuungseinrichtungen aufgebaut werden können, um Frauen bessere Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Fazit des Rechnungshofes: Fehlanzeige.

Doch es geht hier - und nicht nur hier - um Klientelpolitik. Eifersüchtig wacht jede Gruppe auf die sie mit-finanzierenden Steuertöpfe.

Wenn die Rechnungshof-Kritik an der Umsetzung dieser EU-Maßnahme folgenlos verpufft, könnte man sich die Kontrolle allerdings gleich sparen. Der Rechnungshof ist das Kontrollinstrument des Parlaments, nicht der Regierung.

Wenn die Abgeordneten erneut - wie auch bei der Kritik an den Finanzen Niederösterreichs - zur Tagesordnung übergehen, wäre dies allerdings schlicht Arbeitsverweigerung.




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-03 18:56:04
Letzte Änderung am 2012-08-03 19:05:09


Beliebte Inhalte



Walter Hämmerle. Wir Menschen sind Mängelwesen. Leider nicht nur in moralischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf unsere körperliche Hinfälligkeit...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Während die SPÖ noch versucht, in die Gänge zu kommen, macht die ÖVP bereits voll in Optimismus für die kommende Nationalratswahl...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Reinhard Göweil Die "Westliche Honigbiene" (im Titel ihre wissenschaftlich korrekte Bezeichnung) ist ein Symbol für Fleiß und die Bildung eines arbeitsamen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung