• vom 06.08.2012, 19:40 Uhr

Leitartikel

Update: 06.08.2012, 20:08 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (7)
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Schwalbe und Sommer


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Als im Oktober 2008 Jörg Haider mit seinem Dienstauto tödlich verunglückte, wusste er vermutlich bereits, dass die Hypo Alpe Adria Staatsgeld zur Rettung benötigen wird. Und er wusste wohl auch, dass die Bayerische Landesbank - zu diesem Zeitpunkt Mehrheitsaktionär der Bank - in einer gewaltigen Klemme saß und bei der Hypo kein Stein auf dem anderen bleiben würde.

Werbung

Im September 2008 war die US-Investmentbank Lehman pleitegegangen, was Schockwellen um den Globus jagte. Haider und sein damaliger Pressesprecher sowie "geschäftsführender BZÖ-Obmann" Petzner wären wohl politisch geschickt genug gewesen, die hausgemachte Pleite der Landeshypo zum Lehman-Opfer umzumodeln. Doch eines hätten sie nicht hingekriegt: Mit dem Einstieg des bankenrettenden Staates hätte es in Vorstand und Aufsichtsrat personelle Änderungen gegeben. Mit der De-facto-Pleite der BayernLB wären auch dort neue Leute ans Ruder gekommen. Und die hätten - angesichts der existenzbedrohenden Situation damals - wohl keine Rücksicht mehr auf einen Regionalkaiser aus Kärnten genommen. Das "System Haider", über das die ÖVP heute gerne spricht, ist nicht jetzt, sondern damals zugrunde gegangen.

Jörg Haider hat dies alles wohl am 11. Oktober 2008 gewusst, als er mit seinem Auto - viel zu schnell unterwegs - aus der Kurve flog.

Wenn sich nun Stefan Petzner hinstellt und erklärt, in der damaligen ÖVP seien die Bösen zu suchen, doch Jörg Haider sei der Gute gewesen, der Schaden vom Land abwehren wollte, so wird wohl nur Ersteres stimmen. Die Schüssel-ÖVP stellte Kärnten unter einen Glassturz, und der wurde dort weidlich ausgenutzt: In die verantwortlichen Positionen kamen nur unbedingte Gefolgsleute Haiders und seiner Entourage. Auch die Justiz unterwarf sich, ein besonders empörender Auswuchs zum Vasallenstaat.

Petzner mag aus Sicht eines Medienexperten seinen Gerichtsauftritt besonders ausgefuchst genutzt haben - es kommt nicht so oft vor, dass man bei einem Strafprozess Partei-Werbung betreiben kann.

Doch die Justiz haben diese Herrschaften nicht mehr in der Hand. Und es ist erst ein Bruchteil dessen aufgearbeitet, was zwischen 2000 und 2006 passiert ist. Das wird allerdings noch dauern, vielleicht länger, als es das BZÖ gibt...




Schlagwörter

Jörg Haider, Leitartikel

7 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-06 19:47:05
Letzte Änderung am 2012-08-06 20:08:13


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Der junge Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter

Walter Hämmerle. Wir Menschen sind Mängelwesen. Leider nicht nur in moralischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf unsere körperliche Hinfälligkeit...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil Während die SPÖ noch versucht, in die Gänge zu kommen, macht die ÖVP bereits voll in Optimismus für die kommende Nationalratswahl...weiter




Werbung




Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof

Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi" Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York.

Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen: 21. 5. 2013: Schwere Zeiten für Fans des glänzenden Metalls: Der Goldpreis erklimmt keine neuen Höhen mehr, das Interesse der Anleger ist merkbar gesunken.

Werbung