• vom 13.08.2012, 18:36 Uhr

Leitartikel

Update: 13.08.2012, 19:22 Uhr
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Das Agrar-Dilemma


Von Reinhard Göweil

Dürre in den USA und Indien. Für die ärmsten Menschen eine Katastrophe, für Finanzinvestoren eine Bank, auf die sie setzen können. Das ist keine moralische Wertung, sondern ein schlichtes Faktum. Während also die Getreidepreise steigen und in den armen Ländern - wie schon 2008 und abgeschwächt 2010 - viele Familien nicht wissen, wie sie sich Essen zum Überleben leisten können, wetten Fonds und Banken auf steigende Preise - und machen damit Geld.

Reinhard Göweil

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Das einfachste wäre sicherlich, diese sogenannten Derivat-Geschäfte auf Nahrungsmittel einfach zu verbieten. London und Chicago, das sind die beiden größten Börsen dafür. Die Umsätze dort sind höher, als die Landwirtschaft weltweit an Wertschöpfung erwirtschaftet - und wohl auch höher als die Subventionen, die in die Landwirtschaften der Industriestaaten fließen.

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Die sich abzeichnende Nahrungsmittelkrise zeigt das Dilemma der Landwirtschaft: Einerseits sind die Bauern den Verlockungen der Energiewirtschaft erlegen und haben begonnen, Mais und Zuckerrohr zur Verspritung anzubauen. Benzin statt Brot lautet das eingängige Schlagwort der Gegner. Auf der anderen Seite ist die Landwirtschaft in den Industriestaaten zur Subventionsmaschine verkommen. Wie immer, wenn viel Steuergeld im Spiel ist, gibt es einige, die dieses Spiel beherrschen, und viele, die es nicht können. Von den Subventionen in Europa profitieren Konzerne und Großbauern unverhältnismäßig - das ist zu hinterfragen.

Es zeigt sich also in der Landwirtschaft, dass der Markt zu Fehlentwicklungen und ökologisch schädlichen Monokulturen führt. Und es zeigt sich, dass die staatlichen Subventionen zu einem hohen Prozentsatz bei den Falschen ankommen.

Beides wird mit dem Argument der Nachhaltigkeit verkauft, was besonders perfide ist, aber gut fürs Polit-Marketing. Wer Kukuruz zu Biosprit verarbeitet, erklärt, dass er nachhaltige Energie gewinnt. Wer Bauern mit Subventionen unterstützt, erklärt, dass dies zum Erhalt der Kulturlandschaft unbedingt notwendig ist.

Wenn ein Argument vom Markt und vom Staat gleichzeitig verwendet wird, ist höchste Vorsicht geboten - so auch hier. Biosprit ist bloß eine Ausrede, um neue Antriebstechniken zu verhindern. Und die Agrar-Subventionen bestehen zu einem guten Teil nur, um eine Funktionärsschicht am Leben zu halten. Zwischen den Stühlen sitzen die Bauern - und zwar nachhaltig.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-13 18:41:13
Letzte Änderung am 2012-08-13 19:22:08


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