• vom 20.08.2012, 18:55 Uhr

Leitartikel

Update: 20.08.2012, 19:09 Uhr
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Ökonomie, schööön!


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Länder wie Deutschland und Österreich profitierten vom Euro gar nicht, Griechenland, Portugal, Spanien massiv. Die Schweizer Großbank UBS bezog dieses Fazit auf die Entwicklung der Realeinkommen in der EU. Demnach musste vor allem das untere Einkommensdrittel in Österreich seit dem Jahr 2000 Verluste hinnehmen.

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Auf der anderen Seite wird uns jeden Tag von Experten aus Nationalbank und Wirtschaftsforschung erzählt, der Euro sei insgesamt ein Gewinn für Europa, und Länder wie Österreich hätten ganz massiv davon profitiert.

Beides ist richtig, und die Studie jener UBS, die selbst am liebsten Millionäre als Kunden pflegt, trägt dazu bei, der Euro-Debatte die grotesk-akrobatischen Ausformungen zu nehmen.

Zuerst muss daran erinnert werden, dass der Schilling seinerzeit einen starren Wechselkurs zur D-Mark (1:7) hatte. Österreichs Wirtschaft ist seit dem Jahr 2000 wettbewerbsfähiger geworden, und wäre das - wegen der Bindung an Deutschland - auch ohne Euro geworden.

Faktum ist aber, dass die Unternehmensgewinne seither deutlich stärker stiegen als die Löhne und Gehälter.

Die Studie zeigt weiters, dass die südlichen Länder den Euro weidlich nutzten, um das frühere Einkommensgefälle zum Norden Europas zu reduzieren. Der Süden feierte Party. Um den Preis sinkender Wettbewerbsfähigkeit, was viel schwerer wiegt als die Verschuldung.

Die rechten Populisten im Norden gehen nun herum und erklären hysterisch, dass der Norden über den Euro-Rettungsschirm noch einmal zur Kasse gebeten wird: Zuerst fleißig sein und dann für fremde Schulden haften - so geht das nicht, tönt aus der FPÖ-BZÖ-Stronach-Ecke.

Das hört sich plausibel an, ist aber doch bloß Voodoo-Ökonomie. Denn die Konsumlaune Südeuropas hat auch in Österreich für hohe Beschäftigung gesorgt. Davon profitierten Unternehmen überdurchschnittlich, die gaben davon aber zu wenig an ihre Beschäftigten weiter.

Die "stabilen Länder" haben also in den vergangenen Jahren kräftig mitgeholfen, das Ungleichgewicht in der EU so zu erhöhen, dass dies zum Problemfall wurde. Die Studie legt nahe, dass Länder wie Österreich auch etwas ändern müssen, unter anderem das verfilzte Steuer- und Abgabensystem. Es honoriert Reichtum, lässt den Mittelstand bluten, und vergisst auf die Ärmsten. Sozialer Ausgleich schaut anders aus.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-20 19:03:10
Letzte Änderung am 2012-08-20 19:09:43


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