• vom 21.09.2012, 18:41 Uhr

Leitartikel

Update: 21.09.2012, 18:57 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (5)
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Berechenbarkeit


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Die Bürger Europas haben - auch wenn ihnen paradoxerweise viele gewählte Politiker misstrauen - ein gutes Gespür. Die Euro-Krise, bisher eine Domäne des verschuldeten Südens, erreicht nun mit steigenden Arbeitslosenzahlen auch den angeblich so stabilen Norden. Was tun die europäischen Bürger nun, umgarnt von Populisten, die alles Mögliche versprechen? Sie stärken jene Parteien, die eine politische Mitte repräsentieren - und zwingen sie in Große Koalitionen. Zuletzt war dies in den Niederlanden der Fall. In Griechenland werkt schon eine. Und in Deutschland lenken die aktuellen Umfragen die CD immer stärker in Richtung SPD. Sollte - wie es kolportiert wird - der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück tatsächlich SPD-Kandidat sein, wäre das wohl ein großkoalitionäres Signal der Sozialdemokraten - egal wie die patscherte FDP bei der Wahl 2013 abschneidet.

Werbung

In Österreich ist es abseits des U-Ausschuss-Geschreies, das sich, der Logik folgen, legen wird, nicht anders. Auch Hartgesottene in der ÖVP, die bis vor kurzem noch davon träumten, mit einer FPÖ die Regierung zu bilden, erkennen in der Großen Koalition nun Vorteile. Selbst wenn man Juniorpartner bleiben würde. Im Wahljahr 2013 werden sich - so die These - auch die Wahlberechtigten in Österreich grummelnd wieder um die beiden Parteien versammeln und ihnen eine stabile Mehrheit im Parlament verschaffen.

Es ist offenbar die Krise, die Experimente zu riskant macht. Weder die extreme Rechte noch die extreme Linke machten bei der jüngsten Wahl in den Niederlanden den Stich. In Umfragen hoch gehandelt, bleiben die Wahl-Ergebnisse bescheiden. In Ungarn ist die erratisch regierende Fidesz von Viktor Orban in den Umfragen jäh abgestürzt. Eine schikanöse Registrierungshürde soll künftige Wahlgänge berechenbarer machen - es wird ihm auch nichts helfen. In Rumänien ist Ponta (von der viel kritisierten EU) brutal aus seinen Machtträumen geholt worden.

In immer mehr Ländern haben die Bürger den Marsch in die politische Mitte begonnen. Mit dem verständlichen Kalkül, dass nur berechenbare und besonnene Politiker mit den Zores fertigwerden können, die gerade heraufdräuen.

Auch wenn das politische Österreich noch aufgeregt Inseratenaffären rezipiert, bleibt das wirkliche Problem die steigende Arbeitslosigkeit und der Druck auf die Löhne. Die Bürger wissen das bereits, manche Partei noch nicht...




Schlagwörter

Europa, Euro-Krise

5 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-21 18:47:04
Letzte Änderung am 2012-09-21 18:57:30


Beliebte Inhalte



Walter Hämmerle. Die Nachricht von der Bespitzelung kritischer US-Journalisten durch die Obama-Administration wurde in den meisten europäischen Medien mit einem...weiter

Reinhard Göweil Großkonzerne wie Apple, Amazon oder Microsoft zahlen wenig bis gar keine Steuern. Die mannigfaltigen, völlig legalen Steuerausnahmen gepaart mit...weiter

Reinhard Göweil Der junge Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wir Menschen sind Mängelwesen. Leider nicht nur in moralischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf unsere körperliche Hinfälligkeit...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter



Werbung




Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung