• vom 03.10.2012, 18:46 Uhr

Leitartikel

Update: 03.10.2012, 18:59 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Eine Analyse, keine Lösung


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Die österreichischen Bischöfe haben in ihrem Hirtenbrief Probleme der Kirche skizziert, ein Dilemma eingeräumt - und einen für ihre Verhältnisse durchaus kritischen Befund erstellt. Was sie schuldig geblieben sind, sind Antworten. Nun mag es sein, dass diese Entscheidungen nicht von Wien, sondern von Rom zu fällen wären. Die Frage ist aber, wie viele Katholiken sich mit diesem Hirtenbrief zufrieden geben.

Werbung

Denn die Amtskirche erleidet - strukturell gesprochen - dasselbe Schicksal wie andere Institutionen auch: Die Welt des 21. Jahrhunderts passt nicht mehr in ihr historisches Gefüge.

Mit Scheidungen kann die Kirche nach wie vor nicht umgehen. Die Bischöfe haben erneut auf das Matthäus-Evangelium verwiesen, aber immerhin das Dilemma eingeräumt.

Damit aber machen sie sich die Sache gar zu einfach. Wenn der Satz "was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen" ewige Gültigkeit besitzt, dann haben Geschiedene in der römisch-katholischen Kirche nichts zu suchen. Das ist auch okay, wenn die Kirchenleitung das so sieht, muss sie es sagen.

Allerdings muss sie auch die Konsequenzen tragen. Da die Zahl der Scheidungen steigt, reduziert sich die Mitgliederzahl. Denn Kirchensteuer als Vollmitglied zu zahlen, aber sonst von "Leistungen" ausgeschlossen zu sein, geht dann nicht mehr.

Ob sich die Bischöfe mit der deutlich liberaler eingestellten Pfarrer-Initiative oder der Plattform "Wir sind Kirche" einigt oder nicht, ist Sache der katholischen Glaubensgemeinschaft.

Ein Staat wie Österreich allerdings sollte sich - wie bei anderen Leistungen - die Frage stellen, wie zeitgemäß das Konkordat noch ist. An diesem Vertrag hängen beträchtliche finanzielle Aufwendungen. Katholische Schulen, Religionslehrer und generelle Zuwendungen - das wird vom öffentlichen Budget bezahlt. Eine Kirche, die sich 50 Jahre nach Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils dogmatischer geriert, muss sich von einem liberalen Staat die Frage gefallen lassen, ob alle diese Zuwendungen quasi sakrosankt sein müssen.

Die katholische Kirche spielt in ihren diesseitigen Auftritten, im sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich, nach wie vor eine wichtige Rolle. Nicht als Glaubensgemeinschaft, aber als Organisation muss sie sich dieser Verantwortung würdig erweisen. Der Hirtenbrief tat dies nicht.




Schlagwörter

Leitartikel

4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-03 18:53:05
Letzte Änderung am 2012-10-03 18:59:06


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Demokratisch zustande gekommene Gesetze sind die Basis des funktionierenden Rechtsstaates. Der Gesetzwerdungsprozess im Parlament ähnelt manchmal dem...weiter

Walter Hämmerle. Wie soll eine liberale Demokratie - angenommen, bei Österreich handelt es sich um eine solche - mit Demonstranten umgehen...weiter

Reinhard Göweil Frankreich schreit auf und droht das EU-Mandat zum Freihandelsabkommen mit den USA zu blockieren. Es geht um den Medien- und Filmbereich...weiter

Reinhard Göweil Der G8-Gipfel, das war einmal das wichtigste diplomatische Treffen der mächtigsten Regierungschefs der Welt. Eigentlich sind es ja sieben...weiter

Reinhard Göweil Die entspannteren Internet-Benutzer schrieben E-Mails an den US-Geheimdienst NSA, er möge ihnen doch die leider vergessenen Bankomat-Passwörter...weiter

Walter Hämmerle. Österreich zieht seine 380 am Golan stationierten UNO-Soldaten ab. Dem internationalen Ansehen des Bundesheeres wird damit ein Bärendienst erwiesen...weiter

Walter Hämmerle. Sollte neben den Fidschi-Inseln tatsächlich auch das blockfreie Schweden, das ebenfalls gegen die Aufhebung des EU-Waffenembargos für Syrien kämpfte...weiter

Reinhard Göweil Die entspannteren Internet-Benutzer schrieben E-Mails an den US-Geheimdienst NSA, er möge ihnen doch die leider vergessenen Bankomat-Passwörter...weiter

Reinhard Göweil Das brutale Vorgehen der Staatsmacht am Taksim-Platz in Istanbul und die martialischen Töne von Ministerpräsident Erdogan zeigen...weiter

Walter Hämmerle. Wie soll eine liberale Demokratie - angenommen, bei Österreich handelt es sich um eine solche - mit Demonstranten umgehen...weiter




Werbung




Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung