• vom 04.10.2012, 16:40 Uhr

Leitartikel

Update: 04.10.2012, 16:57 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Verschieben wir’s auf morgen


Von Walter Hämmerle

Walter Hämmerle.

Walter Hämmerle. Walter Hämmerle.

Das Gute an schlechten Zeiten ist, dass man beginnt, von einer besseren Zukunft zu träumen. Man kann sich ja schlecht ausschließlich dem Trübsinn der momentanen Misere hingeben. Das erklärt wahrscheinlich einen Gutteil der derzeit herumschwirrenden EU-Reformideen.

Werbung

Der allerjüngste stammt von EU-Präsident Herman Van Rompuy. Der Belgier fordert, verkürzt formuliert, eine bindende Verpflichtung der 17 Euro-Staaten, Reformvorschläge der EU-Kommission auch umzusetzen. Auch wenn der Vorschlag keine Chance auf Umsetzung hat, lohnt es sich, ihn in Gedanken durchzuspielen.

Österreich beispielsweise leistet sich ein Pensionssystem, das - trotz einiger Reformen - die absehbare demografische Entwicklung eisern ignoriert. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die politischen Kosten, dies zu ändern, werden von den verantwortlichen Akteuren höher eingeschätzt als die daraus resultierenden Vorteile, die noch dazu aller Voraussicht nach erst von der nächsten Politikergeneration lukriert werden können. Also bleibt, so lange es nur irgendwie geht, alles beim Alten. Und weder ist Österreich das einzige Land noch das Pensionssystem der einzige Bereich, in dem die politische Kosten-/Nutzenrechnung auf "Augen zu und durch" steht. Die Lust, die Kosten des Wohlfahrtsstaates in die Zukunft zu schieben, ist allgegenwärtig - und offensichtlich ein besonderes europäisches Charakteristikum.

Angesichts dieser traurigen Tatsache läge nichts näher, als ein (allenfalls in ferner Zukunft demokratisch legitimierter) technokratischer Automatismus, der die auf Machterhalt ausgerichtete Politik nationaler Regierungen aushebelt. Vor allem die Jungen müssten daran eigentlich ein eminentes Interesse haben, weil ihre Lebenschancen derzeit allenfalls in Sonntagsreden Berücksichtigung erfahren. Aber wie gesagt: Die Realisierungschancen für den Vorschlag Van Rompuys sind ohnehin gleich null.

Dafür gibt es allerdings auch einige gute Gründe. Noch - und wahrscheinlich noch für ziemlich lange Zeit - sind es die nationalen Regierungen, von denen sich die Bürger zuallererst die Lösung ihrer alltäglichen Probleme erwarten. Das ist, jedenfalls bis auf Weiteres, die Ausgangslage bei nationalen Wahlen. Die Verantwortung nationaler Regierungen sollte zumindest so lange nicht kleingeredet werden, bis etwas Besseres allgemeine Zustimmung gefunden hat.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-04 16:47:06
Letzte Änderung am 2012-10-04 16:57:19


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter

Walter Hämmerle. Die Nachricht von der Bespitzelung kritischer US-Journalisten durch die Obama-Administration wurde in den meisten europäischen Medien mit einem...weiter

Reinhard Göweil Großkonzerne wie Apple, Amazon oder Microsoft zahlen wenig bis gar keine Steuern. Die mannigfaltigen, völlig legalen Steuerausnahmen gepaart mit...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter



Werbung




Am Vorabend des Life Balls fand sich bereits Prominenz ein: das Burgtheater lud zum Red Ribbon Celebration Concert, bei dem sich zahlreiche Künstler wie die Operndiva Anna Netrebko (im Bild mit Piotr Beczala),

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung