• vom 20.11.2012, 17:47 Uhr

Leitartikel

Update: 20.11.2012, 18:00 Uhr
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Neue Kriegsschauplätze


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Selbst wenn die Waffen im Gaza-Konflikt schweigen, wird der "stille Krieg" im Netz weitergehen. Israelis und Palästinenser liefern einander in den Social Media wie Twitter und Facebook einen wilden Schlagabtausch um die Deutungshoheit, wer wohl mit dem Waffengang begonnen habe. Dass Internet-Plattformen so massiv zu Propaganda-Zwecken eingesetzt werden, ist neu. Es geht immerhin darum, auf wessen Seite die Welt in diesem Konflikt steht.

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Recht haben wohl beide, irgendwie: Der Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen ist für Israel unerträglich geworden, zudem sieht sich das Land durch Abschussrampen im Libanon bedroht. Und auf den Golan-Höhen beginnt die syrische Armee verrückt zu spielen. Dass Israel dieses Kesseltreiben nicht geduldig über sich ergehen lasen würde, war klar.

Die palästinensische Seite wieder argumentiert, dass Israel blindwütig Angriffe gegen Zivilisten geflogen habe - und Regierungschef Benjamin Netanyahu, der in Kürze wiedergewählt werden möchte, nun Stärke demonstriere. Israel soll als Aggressor dargestellt werden.

Bei der Hackergruppe Anonymous ist diese Saat aufgegangen. 650 israelische Websites wurden zuletzt lahmgelegt. Und wer in Israel Microsofts Bing öffnete, bekam israelische Waffen zu sehen. Die Gruppe stellte sich offiziell auf die Seite der Palästinenser.

Dies alles ist Gift für die vielgepriesene "Freiheit im Netz". Twitter und Facebook müssen sich die Frage stellen, ob sie zu Propaganda-Plattformen verkommen. Und auch Regierungen der westlichen Welt werden darüber nachdenken, wie im Bedarfsfall so mancher Account gesperrt werden könnte. Das ist Zensur, eindeutig. Aber irgendwo beginnt auch das Selbstverteidigungsrecht von Staaten in einem Cyber-Krieg. Diese Debatte hat gerade begonnen, und sie wird wohl heftig geführt werden.

Anonymous hat sich entschieden. Die Hacker haben einseitig in einen Konflikt eingegriffen und sind damit in die Politik eingestiegen. Die Schwarm-Intelligenz hat allerdings damit ihrem Ziel, der Unabhängigkeit im Netz, einen Bärendienst erwiesen. Erstens ist ihre Glaubwürdigkeit diesbezüglich dahin, und zweitens werden sich die Hacker künftig besonders intensiver Verfolgung der Geheimdienste "erfreuen" können. Der Cyber-Krieg hat begonnen, auch wenn die Waffen schweigen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-11-20 17:53:04
Letzte Änderung am 2012-11-20 18:00:50


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