• vom 21.11.2012, 18:17 Uhr

Leitartikel

Update: 21.11.2012, 18:46 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Dogmatische Keulen für EU


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Nein, es geht bei der Keule nicht um Sinn und Unsinn von Veto-Drohungsankündigungen. Es geht um die innerösterreichische Debatte zum kommenden EU-Finanzrahmen bis 2020. Inhaltlich beschränkte sie sich auf die Dotierung der Förderung für die "ländliche Entwicklung". Österreich werde für seine Bergbauern kämpfen, erklärte die Regierung. Das ist sympathisch, leider gab es aber in Österreich keinerlei Debatte um den sinnvollen Einsatz dieser Mittel. Teil dieser "ländlichen Entwicklung" ist das Innovationsprogramm LEADER, dem der Rechnungshof erst jüngst ein vernichtendes Zeugnis ausstellte: Auf Innovation sei dabei wenig Wert gelegt worden, positive Effekte für den Arbeitsmarkt habe es nicht gegeben.

Werbung

Es ist anzunehmen, dass der Bericht auch in Brüssel bekannt ist. Wenn sich also nun beim Europäischen Rat der Bundeskanzler für die Bauern in die Schlacht wirft, wird er vermutlich Folgendes zu hören bekommen: Ein schöner Teil dieser Mittel sei einfach verpufft, und die "ländliche Entwicklung" stehe eigentlich nicht nur der Landwirtschaft zur Verfügung, sondern - wie der Name schon sagt - der Entwicklung einer ländlichen Region insgesamt.

Faktum ist auch, dass dieses EU-Budget nicht nur aus Landwirtschaft besteht. Beim Innovationsranking der EU ist Österreich um einen Platz auf acht abgerutscht. Um Struktur und Höhe der Forschungsgelder gab es aber im Vorfeld keine Diskussion über die österreichische Position.

Überliefert ist der Satz des Vizekanzlers, wonach auch diese Förderung nicht gekürzt werden dürfe. Da Österreich als Nettozahler aber bei der EU-Kommission eine Reduktion des EU-Budgets einmahnte, wird dieses Argument auf tönernen Füßen stehen. Für Österreich wird die kommende Periode bis 2020 also teurer als zuletzt, die Frage ist nur noch: wie viel teurer?

Wenn die heimischen Agrarpolitiker bei ihren Subventionen nicht so dogmatisch agiert hätten und es eine Sachdiskussion gegeben hätte, würde diese Reduktion (abseits des Rabattes auf den EU-Beitrag) geringer ausfallen. Denn auch kleine Länder haben eine Chance, gehört zu werden - wenn sie interessante Vorschläge machen. Das nächste Mal wäre es großartig, wenn im Nationalrat ein argumentatives Veto zu stark verkürzten Darstellungen käme - und sich mehr Abgeordnete als bisher für das EU-Budget wirklich interessieren würden.




Schlagwörter

Leitartikel

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-11-21 18:23:07
Letzte Änderung am 2012-11-21 18:46:37


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Dem jungen Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Walter Hämmerle. Wir Menschen sind Mängelwesen. Leider nicht nur in moralischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf unsere körperliche Hinfälligkeit...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die "Westliche Honigbiene" (im Titel ihre wissenschaftlich korrekte Bezeichnung) ist ein Symbol für Fleiß und die Bildung eines arbeitsamen...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

20.5.2013: Ein tibetischer Mönch hält ein Schild neben einem Plakat, das Gedhun Choekyi Nyima, den elften Penchen Lama zeigt, der vom Dalai Lama anerkannt wird. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung