• vom 04.12.2012, 18:25 Uhr

Leitartikel

Update: 04.12.2012, 18:31 Uhr

Leitartikel

Ganztages-Dilemma




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Das Beispiel Deutschland zeigt es wunderbar: Überall dort, wo es Ganztagsschulen gibt, funktionieren sie. Schulen, die dies nur als zusätzliche Möglichkeit anbieten, machen weniger gute Erfahrungen - dort werden die Klassengemeinschaften zerrissen.

Werbung

In Österreich hat sich die Regierung nun geeinigt, die Ganztagsschule auszubauen. Ab 2014, also stabil nach den Wahlen. Wer immer danach das Sagen hat, wird das Programm entweder be- oder entschleunigen.

Am Faktum, dass an den Bildungsinstitutionen bloß herumgedoktert wird, ändert sich nichts. Gesamtschule? Die Verschulung der Universitäten, die aus einer Mindeststudiendauer die Normstudiendauer macht? Neues Lehrer-Dienstrecht, um die Pädagogen am Nachmittag in der Schule zu halten? Wenig Bewegung, vielleicht wird aber dazwischen zehn Minuten geturnt.

Das klingt defätistisch - und ist es leider auch. An der Bildung zerschellt diese Koalition, aber auch die föderale Machtverteilung der Republik.

Bei den meisten Bildungsfragen geht es nämlich nicht darum, dem Nachwuchs das bestmögliche System anzubieten, sondern um pure Machtfragen: AHS-Lehrer sind Bundeslehrer, die Pflichtschule "gehört" den Ländern. Daran rieb sich die Neue Mittelschule jahrelang auf.

Nun geht es wieder los: Die Gemeinden als Schulerhalter wollen bei der Ganztagsschule ein Mitspracherecht. Und die Lehrergewerkschaft zeigt sich "gesprächsbereit" über längere Lehrverpflichtungen, fordert aber eine Entlastung durch Schulpsychologen und Sozialarbeiter. Etwa 14.000 (!) würden benötigt, rechnet Lehrergewerkschafter Paul Kimberger bereits vor.

Die Phrase "signalisiert Gesprächsbereitschaft" wird von der Lehrergewerkschaft überhaupt gerne und häufig verwendet. Bisher blieb es beim Signal. Mittlerweile läuft aber die Pensionierungswelle bei den Lehrern voll an, in den kommenden Jahren geht die Hälfte der 120.000 Pädagogen in den Ruhestand. Das führt in bestimmten Fächern (etwa Physik) in manchen Schulen dazu, dass Studenten in den Klassen stehen. Ist dazu etwas zu hören? Nein.

Das Bildungsdilemma geht auf den Universitäten munter weiter, der freie Hochschulzugang wird ausgehöhlt - aus finanziellen Gründen.

Bei den kommenden Wahlen werden also vermutlich Eltern und Jugendliche das Ende ihrer Gesprächsbereitschaft signalisieren . . .



1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-12-04 18:29:02
Letzte Änderung am 2012-12-04 18:31:25


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Islamisches Kalifat in Europa und Amerika
  2. Keine Lex Islam - Norwegen hat es vorgemacht
  3. Fusion der Krankenkassen - ein absolutes No Go
  4. Gotteskrieger
  5. Das Comeback einer Farbe
Meistkommentiert
  1. Parteibücher raus aus den Schulen, Erneuerung rein
  2. Bolivarische Diktatur oder Playboy-Hochburg?
  3. Das Comeback einer Farbe
  4. Hypo und kein Ende
  5. Bürokratie à la EU

Werbung




Diese Dame wird "Venus von Wien" genannt, ist 230 Jahre alt und kommt eigentlich aus Florenz.

Victor Noir war ein französischer Journalist und Gegner Napoleon Bonapartes. Er wurde <span class="st">1870 </span>von Prinz Pierre Napoleon Bonaparte, einem Großneffen Napoleon Bonapartes, erschossen. Die FPÖ-Abgeordneten zeigten sich bei der Plenartagung 20.-23. Oktober im EU-Parlament mit nichts einverstanden. Sie stimmten etwa gegen die neue EU-Kommission (wie auch die Grünen), gegen Nachbesserungen für den Haushalt von 2014 oder auch gegen den Budgetentwurf für 2015. Zudem sprachen sich die FPÖ-Vertreter im Gegensatz zu den Parlamentariern von ÖVP, SPÖ, Grüne und Neos auch dagegen aus, dass der zollfreie Zugang für Waren aus der Ukraine in den EU-Markt verlängert wird - womit die Bruchstellen in der heimischen Politik in der Ukraine-Krise sichtbar wurden.

31.10.2014: Fast ein Jahr nach dem verheerenden Taifun Haiyan auf den Philippinen gedenken Angehörige und Überlebende den 8.000 Opfern. Die Regierung hat ein Milliardenprogramm für den Wiederaufbau genehmigt. Diego Velazquez im KHM. Die Ausstellung "Velazquez" läuft von 28. Oktober bis 15. Februar 2015 im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Werbung