• vom 06.12.2012, 18:21 Uhr

Leitartikel

Update: 06.12.2012, 18:37 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (18)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Bankgeheimnis wird fallen


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Die Steuerabkommen mit der Schweiz (und das in Vorbereitung befindliche mit Liechtenstein) haben eine gemeinsame Basis: Es soll keinen grenzüberschreitenden Informationsaustausch über Vermögensbesitzer geben. Bankgeheimnis nennt sich das bei uns. Dafür ist man erstaunlicherweise bereit, viel zu investieren. Die komplexe Berechnungsformel zur Abgeltungssteuer mit der Schweiz hat mehrere Beamte (auf beiden Seiten) wohl einige Zeit beschäftigt.

Werbung

Eigentlich ist es absurd: Es gibt zwar eine hohe Bereitschaft, die Anonymität von Reichen zu bewahren, gleichzeitig sind Finanzbeamte angehalten, bei Prüfungen von Kleinbetrieben und Freiberuflern durchaus kleinlich in der Auslegung von Steuergesetzen zu sein.

Österreich fürchtet halt einen - auch volkswirtschaftlich schädlichen - Kapitalabfluss in enormer Höhe, sagen die Befürworter des Bankgeheimnisses. Und selbst jene, die kein Geld haben, sind oftmals für das Bankgeheimnis - sie könnten ja selbst einmal zu Geld kommen . . .

Der einzige Ausweg lautet: Gleichbehandlung. Und die kann es wohl nur geben, wenn es EU-weit einen behördlichen Informationsaustausch zu Bank- und Finanzdaten gibt. Eine neue EU-Zinsrichtlinie würde dem nachkommen - doch Österreich blockiert.

Selbst wenn man den (zu Recht) umstrittenen Steuerwettbewerb innerhalb Europas befürwortet, so muss dieser Wettbewerb fair ablaufen. Steueroasen, die sich für Herkunft und Besitzer von Geldvermögen nicht interessieren, verzerren den Wettbewerb. Zypern mag es egal sein, ob in Griechenland hinterzogene Steuern auf dortigen Konten landen - der Eurozone kann es aber nicht egal sein. Einer kleinen Insel im Ärmelkanal kann es wurscht sein, ob mit dem dort gelandetem Geld in Österreich Kleinanleger über den Tisch gezogen wurden. Dem EU-weiten Anliegen des Anlegerschutzes kann es aber nicht egal sein.

Das Bankgeheimnis ist ein Auslaufmodell, so oder so. Österreich stemmt sich mit Verve gegen diese Erkenntnis und präsentiert sich den EU-Partnern doppelbödig. Einerseits ist Österreich für die Finanztransaktionssteuer - die böse Spekulation soll bestraft werden. Auf der anderen Seite hofiert es genau jene Vermögen, die spekulieren. Hoch an der Zeit, hier umzudenken - und damit ist nicht gemeint, auf die Finanztransaktionssteuer zu verzichten . . .




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-12-06 18:23:02
Letzte Änderung am 2012-12-06 18:37:57


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Dem jungen Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Walter Hämmerle. Wir Menschen sind Mängelwesen. Leider nicht nur in moralischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf unsere körperliche Hinfälligkeit...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die "Westliche Honigbiene" (im Titel ihre wissenschaftlich korrekte Bezeichnung) ist ein Symbol für Fleiß und die Bildung eines arbeitsamen...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

20.5.2013: Ein tibetischer Mönch hält ein Schild neben einem Plakat, das Gedhun Choekyi Nyima, den elften Penchen Lama zeigt, der vom Dalai Lama anerkannt wird. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung