• vom 09.01.2013, 16:37 Uhr

Leitartikel

Update: 09.01.2013, 16:44 Uhr

Zivildienst

Tagwache




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Leitartikel

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Trotz schwächerer Geburtenjahrgänge steigt die Zahl der Zivildiener. Daraus eine Notwendigkeit der Wehrpflicht herauszulesen, ist eine eher rein politische Angelegenheit. Vielmehr verdeutlicht es die Unattraktivität und Sinnkrise des Bundesheeres - egal, wie es organisiert ist.

Werbung

Wenn die Parteien also eine niedrige Beteiligung an der kommenden Volksbefragung befürchten, so sollten sie sich selbst bei der Nase nehmen. Dass Jugendliche (und zwar männliche und weibliche Jugendliche) einen mehrmonatigen Dienst an der Gesellschaft ableisten, ist zu befürworten - es steht nur nicht zur Debatte.

Am 20. Jänner geht es um Österreichs Verteidigungspolitik, und da sind beide Parteien ziemlich säumig. Dass SPÖ und ÖVP ihre Einstellung zur Heeresorganisation getauscht haben, mag Anhänger der jeweiligen Partei immer noch irritieren. Noch irritierender ist aber das Fehlen klarer Konzepte.

Ein Berufsheer müsste sich sinnvollerweise - da es doch quasi neu aufgestellt wird - an europäischen Verteidigungsplänen orientieren. Die sind aber erstens nicht ausgegoren (daher ist der Zeitpunkt der Volksbefragung zu hinterfragen), und zweitens wäre es dann mit der Neutralität nicht mehr weit her. Denn zu einer europäischen Verteidigungsdoktrin gehört logischerweise der Einsatz von Soldaten außerhalb der EU - im Notfall auch ohne UNO-Mandat.

Wenn umgekehrt die Wehrpflicht bleiben soll, wäre es fein, von der Volkspartei zu erfahren, wie denn die von ihr definierte Reform ausschauen soll. Leerläufe, Fadesse, missbräuchliche Verwendung (als Kellner im Offizierscasino etwa) und fehlende Motivation der Grundwehrdiener sehen ja auch ÖVP-Politiker. Dass technologisch komplexe Waffensysteme nicht von Soldaten bedient werden können, die sich nach wenigen Monaten wieder verabschieden, ist ebenfalls logisch.

Eineinhalb Wochen haben die beiden Parteien noch Zeit, ihre Konzepte zu schärfen oder vorzulegen - für notwendige Diskussionen reicht die Zeit nicht. Aber wenigstens Klarheit würde dann herrschen.

Es ist zu vermuten, dass bei Vorlage detaillierter Konzepte der inhaltliche Unterschied zwischen SPÖ und ÖVP gar nicht mehr so groß ist. Er manifestiert sich eher beim Zivildienst-/Sozialdienst-Modell. Es wäre vielleicht besser gewesen, darüber eine Volksbefragung anzusetzen.




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-01-09 16:41:10
Letzte Änderung am 2013-01-09 16:44:18


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Kosten der Freiheit
  2. Sanktionsopfer Schelling
  3. Schöne neue kindische Welt
  4. Pech für die Ukraine
  5. Das Internet ist ein weites Land
Meistkommentiert
  1. Die Kosten der Freiheit
  2. Pech für die Ukraine
  3. Grauen als Propaganda
  4. Der Rücktritt
  5. Sanktionsopfer Schelling

Werbung




Marlies Schild beendet ihre aktive Laufbahn.

Bundespräsident Heinz Fischer (links) mit Bundeskanzler Werner Faymann (Mitte) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner bei der Angelobung der neuen Regierungsmitglieder. 1.9.2014: Ein Bub vom Stamm der Musqueam im Norden von Vancouver, Kanada.

Die Ausstellung 'Transmutaciones', in Guayaquil, Ecuador zeigt unter anderem ein Teeservice von Alexandra Cedeno aus menschlicher Plazenta angefertigt. Link: <a href="http://www.museodeguayaquil.com/  " target="_blank"> Museo de Guayaquil </a> Alejandro Gonzalez Inarritu.