• vom 29.01.2013, 17:40 Uhr

Leitartikel

Update: 29.01.2013, 18:00 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Schein bestimmt das Dasein


Von Reinhard Göweil

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Die Liberalisierungsideen der EU-Kommission finden (nicht nur) in Österreich keine Abnehmer. Die bloße Vorstellung, dass Gemeinden ihre Wasserversorgung per Konzession EU-weit ausschreiben müssten, genügte, um einen Schulterschluss herbeizuführen. Der Vorschlag von Staatssekretär Josef Ostermayer, derartigen Privatisierungen per Verfassungsgesetz einen Riegel vorzuschieben, wurde am Wochenende von der ÖVP noch als Populismus abgetan. Diese harte Position ist weicher geworden, es darf angenommen werden, dass auch viele ÖVP-Bürgermeister dieser Idee etwas abgewinnen können. Den Vogel schoss die FPÖ ab, die nun das geplante Spekulationsverbot mit Steuergeld mit dem Wasser verknüpfte - beides soll in die Verfassung.

Werbung

Die Reaktionen zeigen, dass die EU-Kommission einen entscheidenden Fehler gemacht hat. Sie versucht, diese Liberalisierungsschritte eher still mittels des Wortungetüms "Konzessionsrichtlinie" Realität werden zu lassen. Da es auch in Deutschland vehemente Ablehnung gibt, stehen die Chancen auf Umsetzung eher nicht so gut.

Abgesehen davon, dass sich die EU-Kommission dabei (und bei anderen Projekten der sogenannten Daseinsvorsorge) eher verzettelt und der europäischen Idee keinen guten Dienst erweist, müssen aber auch die österreichischen Politiker aufpassen: Die fulminanten Reaktionen darauf lassen beim Bürger den Schluss zu, dass von der EU überhaupt nichts Gutes kommt.

Das wäre ein Trugschluss. Die EU-Kommission versucht, den Binnenmarkt voranzutreiben, das ist ihr Job. Dass eine EU-weit konzertierte Industriepolitik aber für den Arbeitsmarkt der Union viel besser wäre, übersieht sie. Und nicht nur sie. Die Regierungschefs, die Finanz- und Wirtschaftsminister, die Energieminister, die Umweltminister treffen einander regelmäßig. Aus diesen Räten sollten klare Vorgaben für die EU-Kommission kommen, sich für die Industrie einzusetzen.

Das war nicht der Fall.

Wer also auf die EU schimpft, weil sie "unser Wasser" privatisieren will, leistet den gefährlichen Vereinfachern Vorschub. Europa braucht aber gestaltende Politiker, die einen gemeinsamen Markt schaffen wollen. Dass sich ein französisches Staatsunternehmen Wasser-Konzessionen von einer staatlichen Körperschaft in Österreich kauft, geht ja nicht einmal als Liberalisierung durch.




Schlagwörter

Leitartikel

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2013-01-29 17:44:09
Letzte Änderung am 2013-01-29 18:00:04


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Walter Hämmerle. Die Nachricht von der Bespitzelung kritischer US-Journalisten durch die Obama-Administration wurde in den meisten europäischen Medien mit einem...weiter

Reinhard Göweil Großkonzerne wie Apple, Amazon oder Microsoft zahlen wenig bis gar keine Steuern. Die mannigfaltigen, völlig legalen Steuerausnahmen gepaart mit...weiter

Reinhard Göweil Der junge Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil Der junge Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter



Werbung




Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers. Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

"Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Werbung