• vom 04.02.2013, 16:07 Uhr

Leitartikel

Update: 05.02.2013, 13:31 Uhr

Kolonialismus

Herausforderung Eurafrika




  • Artikel
  • Kommentare (7)
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Thomas Seifert

  • Leitartikel

Thomas  Seifert

Thomas Seifert

Wenn die frühere Kolonialmacht Frankreich Soldaten in den Niger schickt, um die Uranminen des französischen Atom-Konzerns Areva zu sichern, ist das dann Postkolonialismus? Wenn Frankreich Truppen nach Mali schickt, um die Mujao - die islamistische Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika - aus dem Land zu vertreiben, ist das dann eine Art Vorwärtsverteidigung Europas in der Sahelzone?

Eurafrika, ein Begriff, den Senegals erster Staatschef Léopold Senghor bei einer Rede 1972 in Straßburg geprägt hat, erlebt in diesen Tagen eine Renaissance, wie in der "Zeit" unlängst zu lesen war.

Werbung

Mali erinnert die Europäer daran, dass es Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien, Großbritannien und sogar Italien und Deutschland waren, die beim Wettlauf um Afrika zwischen 1881 und dem Ersten Weltkrieg um die Wette hetzten. Franzosen und Briten schnappten sich damals die besten Filetstücke.

Der Kolonialismus der Europäer ist eines der großen Verbrechen im an Verbrechen nicht gerade armen 19. und 20. Jahrhundert. Wer da meint, das sei lange vorbei, irrt: Algerien ist erst seit 1962 unabhängig.

Europa hat also eine Verantwortung gegenüber dem afrikanischen Kontinent, und paradoxerweise sind französische Militäroperationen in Mali ein Mittel, diese Verantwortung wahrzunehmen. Postkoloniale, anti-französische Reflexe sind somit fehl am Platz. Es geht in Mali und im Niger auch um Eurafrika. Aber: Mit einem militärischen Eingreifen durch die Grande Nation ist es nicht getan - das kann bestenfalls ein erster Schritt sein. Denn das Substrat, auf dem radikalislamische, militante Gruppen gedeihen konnten, sind die Diskriminierung der Tuareg und die rücksichtslose Ausbeutung der Rohstoffe: Mali ist der drittgrößte Goldexporteur, 19 Prozent des Bruttosozialprodukts stammen aus dem Goldbergbau. Und dennoch steht es auf dem Human Development Index nur auf Platz 175 von 187, hinter Afghanistan, Zimbabwe und Äthiopien. Es wäre schön, würden die Profiteure aus dem Goldgeschäft dafür Sorge tragen, dass ein wenig von den Erlösen des Rohstoffreichtums bis zur großteils in Armut lebenden Bevölkerung hinunterrieselt. Für Niger gilt dasselbe, auch wenn es hier um spaltbares Uran und nicht um glänzendes Gold geht. Damit Europa Sicherheit exportieren kann, muss es auch Werte exportieren.




7 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-02-04 16:11:07
Letzte Änderung am 2013-02-05 13:31:58


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Folgen der Sanktionen gegen Russland
  2. An meine Völker
  3. Wien + NÖ = 1
  4. "Dass es einer Sau graust"
  5. Die Lederhose ist Kummer gewöhnt
Meistkommentiert
  1. Der Irrtum der Pali-Versteher
  2. Den Bogen überspannt
  3. Die nahöstliche Verschärfung
  4. 69 Jahre SPÖ-Regierung sind genug für Wien
  5. Weil es hässlich ist!

Werbung




Das Polizeiaufgebot am Einsatzort war mit weit mehr als 1.000 Beamten enorm. Da die Besetzer den Hauseingang massiv verbarrikadiert hatten, gab es für die Exekutive vorerst kaum ein Weiterkommen.

28.7.2014 - Der Morgen danach. In Kalifornien haben Feuerwehrleute am Wochenende wieder einmal gegen massive Waldbrände ankämpfen müssen. Rund um den Yosemite Nationalpark und in den Ausläufern der Sierra Nevada kam es zu großen Schäden und umfangreichen Evakuierungen. Ko Murobushi unterrichtet beim Impulstanz die japanische Tanzform Butoh.

Seit Oktober erreichten allein aus Mittelamerika mehr als 57.000 unbegleitete Kinder die Grenze. Sie fliehen vor Gewalt, Kriminalität und schlechten wirtschaftlichen Aussichten in ihren Heimatländern. Freie Bahn für Ebbe und Flut: Zum Klosterfelsen Mont-Saint-Michel gelangen Besucher künftig über eine Stelzen-Brücke des österreichischen Architekten Dietmar Feichtinger. Link: <a href="http://www.ot-montsaintmichel.com/index.htm" target="_blank"> Mont-Saint-Michel </A>

Werbung