• vom 22.02.2013, 16:50 Uhr

Leitartikel

Update: 22.02.2013, 20:03 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (7)
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Pathos ist gut für Europa


Von Reinhard Göweil

Manchen war die Europa-Rede des deutschen Bundespräsidenten zu pastoral. Soll so sein. Doch Joachim Gauck traf damit einen Nerv. Pragmatiker gibt es in der EU ausreichend, sie haben die Kompromissbereitschaft mittlerweile in den Genen. Und nivellieren Europa auf die Ebene eines Herman-Van-Rompuy-Budgetvorschlags - also nahe null.

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Gauck setzt dem Pathos entgegen, und recht hat er. Er erklärt Europa zur Idee und wendet sich an die Herzen, nicht den Verstand. Freiheit, Frieden und Toleranz sind nicht kompromissfähig.

Werbung

Es wäre klug von den Regierungskanzleien, sich etwas von Gaucks Pathos zu eigen zu machen. Die vorliegende Konjunkturprognose zeigt, dass es weder heuer noch im nächsten Jahr gelingen wird, die Massenarbeitslosigkeit in vielen Regionen Europas zu reduzieren.

Das bedeutet, dass noch mehr Menschen den Glauben an und die Hoffnung auf dieses Europa verlieren werden. Eine Idee ohne Perspektive ist aber nur ein Schmäh - folgerichtig fühlen sich viele Bürger gefoppt.

Diese Menschen gehen politischen Scharlatanen wie Silvio Berlusconi in Italien auf dem Leim, der ihnen eine Märchenwelt verspricht, die es nie gab und nie geben wird. Oder auch Gestalten wie dem Berufskomiker Pepe Grillo, der zwar kein Programm hat, aber die Protestgesinnung vieler unterhaltsam und für sich nutzt.

Wenn Europa auf sich hält, räumt es nun die sinnlosen Scharmützel eitler Premierminister zur Seite und besinnt sich auf die eigentliche Aufgabe, eine lebenswerte und glücklichere Gesellschaft zu entwerfen.

Dazu gehören Jobs, sicherlich. Die EU wird erkennen müssen, dass Defizite und Staatsschulden kein Programm sind. Und sie muss - wie es Gauck ausdrücklich forderte - den Bürgern viel mehr Raum geben. Bürokratische Hemmnisse in der Bewegungsfreiheit, nur weil Nationen Grenzen haben - weg damit. Kleingeistige Budgetdebatten - weg damit. Politiker, die nur die eigenen Taschen füllen (wie in Spanien) - weg damit. Frankreich im Kampf gegen Terroristen in Mali allein zu lassen - geht nicht.

Zu diesen Themen sollten sich das EU-Parlament und die EU-Kommission äußern - nachdrücklich, vor allem aber mit Taten.

Gauck hat die Bürger Europas aufgefordert, selbst für Europa aufzustehen. Wäre fein, wenn sich viele von seinem Pathos anstecken ließen.




7 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2013-02-22 16:53:05
Letzte Änderung am 2013-02-22 20:03:46


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Während die SPÖ noch versucht, in die Gänge zu kommen, macht die ÖVP bereits voll in Optimismus für die kommende Nationalratswahl...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Reinhard Göweil Die "Westliche Honigbiene" (im Titel ihre wissenschaftlich korrekte Bezeichnung) ist ein Symbol für Fleiß und die Bildung eines arbeitsamen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung