• vom 03.03.2014, 15:39 Uhr

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Update: 19.03.2014, 18:01 Uhr

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Die andere Welt




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Wladimir Putin lebe in einer anderen Welt - das soll die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zu US-Präsident Barack Obama nach ihrem Telefonat mit dem russischen Präsidenten gesagt haben. Ein zutreffender Befund.

Denn 73 Prozent der Russen lehnen eine militärische Intervention in der Ukraine ab, und etwa 80 Prozent der Ukrainer sind für einen eigenständigen Staat - und zwar in den jetzigen Grenzen.

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Die Behauptung der russischen Regierung, die Ukraine vor den Faschisten schützen zu müssen, geht ebenfalls ins Leere. Die ukrainische Swoboda-Bewegung ist zwar rechtsradikal, aber innerhalb der Maidan-Bewegung beherrschbar.

Was also treibt Putin in seine "andere Welt"? Das Trauma des Zusammenbruchs der Sowjetunion? Nun, die Probleme der Welt in Syrien, in Afrika, im Mittleren Osten und in Nordkorea sind nur gemeinsam zu lösen, das haben auch durchschnittlich begabte russische Politiker schon begriffen.

Putin geht es um Macht und Einfluss. Gut, beides hat er. Umgekehrt wird ständig betont, dass die USA und die EU wenig Druck auf Russland ausüben können und auf Verhandlungen angewiesen sind. Nun, das ist ja positiv. Weder in Washington noch in Brüssel sitzt die Weltregierung, die anderen Staaten vorschreiben kann, was zu tun wäre.

Putin sollte aber auf die Meinung der Menschen hören. Und diese wollen frei leben und die Chance auf ein friedliches und gutes Leben haben. Krieg und Repression kommen in solchen Konzepten nicht vor. Ob der russische Präsident, nachdem er seine Truppen in Gang gesetzt hat, zu einer Kehrtwendung fähig ist, muss im Moment bezweifelt werden. Es geht nur noch um ihn.

Allerdings bringt er damit sein Land in eine schwierige Situation. Ein Krieg in der Ukraine würde zehntausende Tote bedeuten und wäre eine humane Katastrophe - noch schlimmer als in Syrien. Der wirtschaftliche Schaden wäre insgesamt beträchtlich, aber in Russland größer als im Westen. Denn der Ausschluss Russlands aus dem Welthandel würde dort Millionen in die Armut treiben - und auf die Straße.

Wenn Putin nicht in diese Welt zurückkehrt, wird er genau die Welt verwüsten, auf die er so gerne mehr Einfluss hätte. In der "anderen Welt" lebt er allerdings ganz allein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2014-03-03 15:44:03
Letzte ńnderung am 2014-03-19 18:01:17



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