• vom 16.12.2015, 19:12 Uhr

Leitartikel

Update: 16.12.2015, 19:49 Uhr

Wohnbau

Wohnbau als Exempel




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die Republik insgesamt ist zu kompliziert geworden. Weder die beamtete Verwaltung noch die vorgesetzten Politiker überblicken die Fülle an Regeln, Vorschriften und Zielen. Das zeigt sich mannigfaltig, aber vor allem auch im Wohnbau. Leistbares Wohnen ist ein gängiger Slogan der politischen Parteien, es gibt keine einzige, die das nicht als Ziel definiert.

Und doch ist es dieselbe Politik, die diesem Zweck zuwider handelt, weil jeder Bereich seine Ziele selbst definiert und umzusetzen versucht. Die Mieten sind im November - im Vergleich zum Vorjahr - mehr als fünfmal so stark gestiegen wie die durchschnittliche Inflationsrate. Und erneut deutlich stärker gewachsen als die Realeinkommen jener, die diese Miete bezahlen müssen. Das liegt zu einem schönen Teil an den teils widersprüchlichen Zielen. Neben den neun Bauordnungen, die sich die Republik leistet, gibt es ebenfalls neun Bestimmungen, was beim geförderten Wohnbau zu leisten ist. Bestimmte Fenster, bestimmte Raumanordnungen, und so weiter.

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Das verteuert den Wohnbau. Vor 2010 wurde die Maxime ausgegeben, die thermische Sanierung ist unbedingt notwendig, Österreich müsse schließlich die Emissionen reduzieren. Also wurde Wohnbauförderung in die Sanierung umgeschichtet, zu Lasten des Neubaus. Nun gibt es zuwenig Wohnraum, die Grundpreise steigen und die Mieten auch.

Anstatt Forschung zu fördern, damit etwa Holzfenster den Kunststofffenstern im Wettbewerb Paroli bieten können, oder die (energiesparende) Begrünung von Fassaden zu ermöglichen, wurde einfach Geld von einem Topf in den anderen umgeschichtet.

Im Wohnbau gleich 18mal (Bauordnung und Wohnbauförderungs-Bestimmung).

Eine etwas gesamtheitlichere Betrachtung seitens der Politik würde also mithelfen, Kosten zu dämpfen und gleichzeitig den gewünschten Effekt zu erzielen. Es gibt nicht eine Wirtschaftspolitik und daneben eine Sozialpolitik, sondern beides gehört zusammen wie die Vanille zum Kipferl. Es gibt nicht eine Umwelt- und eine Baupolitik - beides ist untrennbar verbunden.

Die Politik hat alles in eine eigene Mini-Parzelle gesteckt und rundherum mannshoch eingezäunt. In diesem politischen Schrebergarten geht der Blick aufs Ganze verloren - und darum sind die Mieten weniger leistbar als alle wollen.




Schlagwörter

Wohnbau, Länder, Wohnen, Leitartikel

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2015-12-16 19:14:05
Letzte ─nderung am 2015-12-16 19:49:11



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