• vom 29.12.2015, 15:38 Uhr

Leitartikel

Update: 29.12.2015, 16:24 Uhr

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. . . mit Verantwortung




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Als die OMV noch ÖMV hieß, lautete deren Firmenslogan - dem Kürzel folgend - "Österreicher mit Verantwortung". Das Unternehmen war noch zu Zeiten des Kalten Krieges ein europäischer Pionier beim Einkauf von russischem Erdgas. Natürlich spielte damals die Politik dabei eine große Rolle. Die Neutralität Österreichs half, Russland enger an Europa anzubinden, den Eisernen Vorhang löchriger zu machen.

Nun regt sich die OMV auf, dass die öffentliche Diskussion über eine geplante Verflechtung mit der russischen Gazprom das Unternehmen schädige.

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Das ist, mit Verlaub gesagt, eine etwas abgehobene Position. Energie ist ein politisches Geschäft. Deutschland regt sich zu Recht auf, dass die Belgier einen Uralt-Reaktor an der deutschen Grenze wieder hochfahren wollen. Im Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs wird über die geplante Gaspipeline "Nord Stream 2" heftig diskutiert, es geht dabei um die EU-Abhängigkeit von russischem Erdgas. Es gibt Sanktionen gegen Russland, weil Präsident Wladimir Putin die Krim der Ukraine schlicht weggenommen hat.

In so einer geopolitischen Gemengelage weinerlich zu reagieren, noch dazu mit dem starken Satz einer Schädigung des "Leitbetriebes", ist Unsinn. Eben weil die OMV ein Leitbetrieb ist, gibt es diese Diskussion. Sie spielt eine große Rolle in Österreichs Infrastruktur. Und sie gehört zu 31,5 Prozent der Republik Österreich, die damit der größte Einzelaktionär ist.

Es ist daher nicht "unmöglich" (O-Ton OMV-Pressesprecher), wie mit der OMV umgegangen wird, sondern sie muss sich dieser Diskussion aktiv stellen. Das hat sie bisher nicht getan, unter Hinweis auf Aktienrecht und Börseregeln, wonach alle Aktionäre gleich behandelt werden.

Das gilt wohl bei konkreten Plänen, doch strategische Entscheidungen dieser Größenordnung sind ohne vorherige Zustimmung von strategischen Investoren (und das ist die Republik bei der OMV) undenkbar. In den USA hat sogar die Bundesregierung eine Veto-Möglichkeit beim Verkauf wichtiger Unternehmen ans Ausland. Davon macht sie auch Gebrauch.

Anstatt also ansatzlos rauszuplatzen mit dem Gazprom-Plan, wäre es klüger gewesen, dies vorab mit Eigentümern (und Aufsichtsrat) grundsätzlich zu diskutieren. Das ist schlicht nicht passiert. Das sollte der OMV leidtun.




Schlagwörter

Leitartikel, OMV, Gazprom, Gas, Russland

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2015-12-29 15:41:06
Letzte ─nderung am 2015-12-29 16:24:20



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