• vom 12.01.2016, 18:10 Uhr

Leitartikel

Update: 12.01.2016, 18:17 Uhr

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Ziel ist Destabilisierung




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Tunesien, Ägypten - nun die Türkei. Die Terrorgruppen im Nahen Osten und in Nordafrika zielen immer stärker auf die wesentlichen Einahmenquellen dieser Länder, den Tourismus. Wenn dort die Gäste ausbleiben, sorgt das für erhebliche wirtschaftliche Probleme. In Tunesien und Ägypten ist der Tourismus die weitaus wichtigste Devisenquelle, für die Türkei ist er sehr wichtig. Es könnte recht schwierig werden, die bisher so gut gebuchten Hotelanlagen an der "türkischen Riviera" auszulasten, wenn sich die vor allem aus Europa und Russland stammenden Gäste vor Terroranschlägen fürchten.

Wirtschaftliche Destabilisierung bedeutet für diese Länder auch politische Unsicherheit - und das ist der ideale Nährboden für Terrororganisationen, egal welches religiöse oder sektiererisches Mäntelchen sie sich umhängen.

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Die ohnehin nicht ausgeprägten staatlichen Institutionen dieser Länder werden dadurch in ihrer Glaubwürdigkeit noch schwerer erschüttert. Für die IS-Miliz, aber auch für ihre afrikanischen Ableger, die den Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten nicht einmal buchstabieren können, ist dies großartig.

Wenn die türkische Regierung recht hat und der Anschlag in Istanbul von IS-Anhängern verübt wurde, muss sich das Land unangenehme Fragen gefallen lassen. Es gibt recht enge Verbindungen zwischen dem türkischen Geheimdienst und syrischen IS-Milizen. Der verheerende Anschlag nahe der Hagia Sophia könnte demnach auch durch die Unachtsamkeit türkischer Polizeibehörden möglich geworden sein.

Auch diese Unsicherheit wird Touristen tendenziell von türkischen Badeorten fernhalten. Es ist zwar anzunehmen, dass die Sicherheitsvorkehrungen in den Freizeitanlagen am Roten Meer und am Mittelmeer nun deutlich verstärkt werden, aber wer will schon Urlaub machen in Hotels, die eher Kasernen ähneln?

Das perfide Kalkül der Terroristen könnte also durchaus aufgehen, für die betroffenen Länder wäre dies eine dauerhafte Katastrophe. Die einzige Möglichkeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, wäre eine Zerstörung dieser terroristischen Verbände. Das ist kaum möglich, doch eine globale Initiative gegen Waffenproduzenten und -schieber könnte das Risiko verkleinern. Sonst bliebe für 2016 nur übrig, dass so manche Urlaubsreise lebensgefährlich sein kann. Wenn dies eintritt, hat der Terror gewonnen.




Schlagwörter

Leitartikel, Terror, Türkei, IS, Syrien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-01-12 18:14:12
Letzte Änderung am 2016-01-12 18:17:02



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