• vom 18.01.2016, 16:21 Uhr

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Update: 18.01.2016, 16:38 Uhr

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Tollhaus und Treibgas




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die milliardenschweren Ökostrom-Subventionen verzerren die Energiemärkte mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit. Der Strompreis an den Börsen ist auf 29 Euro je Megawattstunde gefallen, der Ölpreis auf 28 Dollar je Barrel. All das ist ein Tollhaus der Politik geworden, wirtschaftlich sinnvoll ist es nicht. Bei so niedrigen Preisen tut sich jeder Energieversorger hart.

In diesem Umfeld soll nun bis 2030 die Klima- und Energiewende geschafft werden, Umweltminister Andrä Rupprechter will bis dahin Österreichs Energieerzeugung komplett auf "Erneuerbare" umstellen. Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen wird es allerdings - so wie es heute aussieht - auch bis weit danach noch geben.

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Denn das Thema ausschließlich aus dem Blickwinkel der Treibhausgas-Reduzierung zu betrachten, ist zu kurz gegriffen. Dass Österreich 2014 die Treibhausgase reduzieren konnte, ist erfreulich, aber weniger als die halbe Miete.

Daneben geht es um eine sichere und ausreichende Energieversorgung. Nun ist es aber so, dass das EVN-Kohlekraftwerk in Dürnrohr voll fährt, um wüste Schwankungen in Deutschland auszugleichen. Das liegt an Windparks in der Nordsee, die Strom produzieren, aber diesen weder speichern noch stabil liefern können.

Aus heutiger Sicht macht die beabsichtigte Schließung aller Kohlekraftwerke bis 2025 ein flächendeckendes "black out" recht wahrscheinlich. Niemand kann indes an unkontrollierbaren Stromausfällen Interesse haben, die erhebliche Folgeschäden nach sich ziehen.

Nun hat die EU zwar die "Energie-Union" ausgerufen, doch damit hatte es sich. Ein vollständig integrierter Energie-Binnenmarkt ist ein wünschenswertes Ziel. Das allerdings würde bedeuten, Energieproduktion und -transport EU-weit abzustimmen. Faktisch wird es aber täglich schwieriger, das bestehende Netz stabil zu halten. Die Regulierungsbehörden haben sich da bisher nicht hervorgetan.

Wird die jetzige Energiepolitik beibehalten, gibt es 2030 zwei Szenarien: Die in Paris beschlossenen Klimaziele werden erfüllt - dann wird es in Europa zu gefährlichen "black outs" kommen. Oder die Klimaziele werden verfehlt, mit genauso gefährlichen Folgen des Klimawandels. Die dritte Möglichkeit würde eine radikal neue Energiepolitik auf europäischer Ebene bedeuten. Doch dazu sind die meisten Regierungen - siehe Asylregeln - nicht willens oder in der Lage.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-01-18 16:26:06
Letzte Änderung am 2016-01-18 16:38:38



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