• vom 27.01.2016, 18:05 Uhr

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Update: 27.01.2016, 18:28 Uhr

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Pension Schöller




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Im oft aufgeführten Lustspiel "Pension Schöller" wird ein durchaus exzentrisches Gästehaus mit einer Irrenanstalt verwechselt, und die daraus resultierende Situationskomik ist sehr lustig.

Im oft aufgeführten Politspiel "Pensionssystem Österreich" wird ein auf Wirtschaft und Vertrauen basierendes Langfrist-Konzept mit tagesaktuellen Hochrechnungen verwechselt. Die daraus resultierende Situationskomik ist mäßig lustig.

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Am 29. Februar ist dazu die Premiere der Regierung. Die kolportierten Zahlen sind alarmierend, im Drehbuch tauchen Finanzierungslücken in zweistelliger Milliardenhöhe auf. Gar nicht wahr, kontern die anderen. Wenn Wirtschaft und Beschäftigung wachsen, dann wird genügend Geld ins System eingezahlt, um auch künftige Pensionisten zu bezahlen.

Es geht also um einen Generationenvertrag, der allerdings recht unterschiedlich definiert wird, weil es eben unterschiedliche Pensionssysteme gibt. Der Satz, es geht sich irgendwie aus, gilt weitgehend für die ASVG-Pensionisten. Er gilt nicht für Beamte, er gilt nicht für Bauern, und er gilt nicht für Selbständige.

Das zeigt sich nun recht eindrücklich bei den 3300 Bank-Austria-Mitarbeitern, die ins ASVG-System "verkauft" werden sollen. 2,1 Milliarden Euro bringt die Bank dazu mit. Ob das ausreicht, wird aber gar nicht gefragt. Es wird politisch aus nicht recht nachvollziehbaren Gründen erst einmal grundsätzlich abgelehnt.

Das kommt dem Irrenhaus der Pension Schöller schon bedrohlich nahe. Denn die Finanzierung künftiger Pensionen (und die aktuellen Auszahlungen) wären kein Problem, wenn sämtliche Pensionsberechtigten nach dem ASVG-System berechnet und bezahlt werden würden. Es sind die unzähligen - teilweise weit darüber hinausgehenden - Regelungen, die ins budgetäre Kraut schießen. Der Mitarbeiter eines Privatunternehmens und ein öffentlich Bediensteter, die beide idente Tätigkeiten gleich lange ausüben, werden in der Pension unterschiedlich behandelt. Historisch erklärbar, im 21. Jahrhundert sinnlos.

Sollte also am 29. Februar eine Pensionsreform präsentiert werden, so wird diese von Klientelpolitik dominiert sein und mit einem Generationenvertrag gar nichts zu tun haben. Blöd für jene, die noch nicht in Pension sind und auf die ASVG-Pension angewiesen sind. Und wie der legendäre Maxi Böhm im Lustspiel "Pension Schöller" werden die sagen: "Neck’ mich."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-01-27 18:08:04
Letzte nderung am 2016-01-27 18:28:15



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