• vom 29.01.2016, 17:35 Uhr

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Update: 29.01.2016, 17:44 Uhr

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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Russland versucht also, das zerstrittene Ölkartell Opec zu einer Kürzung der Förderung zu bewegen, um die Ölpreise wieder deutlich steigen zu lassen. Der russische Außenminister reist deswegen im Februar an den Persischen Golf. Dabei wird wohl auch Syrien ein Thema sein.

Da die EU von russischer Energie abhängig ist, sollte Brüssel diese Aktivitäten aufmerksam beobachten. Wenn sich zur Energieabhängigkeit auch noch Preisabhängigkeit gesellt, dann steht es schlimm um Europa. Die Abnehmer in Europa würden dann die Zeche alleine bezahlen.

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Und deutsche Zeitungen vermuten gar, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Debatte um Kanzlerin Angela Merkel in Deutschland befeuert. Dass Russland extrem rechte Gruppierungen in der EU unterstützt, ist ja bekannt.

Selbst wenn diese Vermutung eine Verschwörungstheorie bleiben sollte, stellt sich doch die Frage, wie vertrauenswürdig Russland ist.

Wenn der Satz, dass die EU und Russland "natürliche Partner" sind, stimmen soll, dann gehört dazu eine gemeinsame Basis.

Russland rechtfertigt dieses Vertrauen derzeit nicht, das sollte auch der OMV klar werden, die sich mit der Gazprom verflechten will. Denn der russische Energiekonzern, der aus dem Kreml heraus gesteuert wird, versucht immer stärker, sich in die europäische Energieinfrastruktur einzukaufen. Wenn die Speicher und Pipelines in Deutschland, Österreich und Osteuropa Gazprom gehören, dann wird die Abhängigkeit Europas von Russland noch stärker.

Im Verein mit der diskreten finanziellen Unterstützung von nationalistischen Parteien erweist sich Russland damit als klarer Gegner Europas.

Putin hat dabei leichtes Spiel, denn wie bei den Flüchtlingen schafft es die Europäische Union nicht, gemeinsam aufzutreten. Als mit weitem Abstand größter Abnehmer für russisches Öl und Gas könnte die EU einigen Druck erzeugen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, eine gemeinsame europäische Einkaufsgesellschaft dafür zu bilden. Das scheitert an nationalen Eigeninteressen.

Während also Russland ungeniert versuchen darf, ein Produktionskartell zu bilden, bleibt die EU ein Gegengewicht schuldig.

Auch wenn es wegen der niedrigen Preise für fossile Energie derzeit seltsam klingt, wird diese Schieflage in Zukunft die europäischen Bürger sehr viel Geld und Wohlstand kosten.




Schlagwörter

Leitartikel, Russland, Öl, Opac, Iran, Syrien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-01-29 17:38:12
Letzte ─nderung am 2016-01-29 17:44:40



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