• vom 05.02.2016, 18:51 Uhr

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Update: 07.02.2016, 11:53 Uhr

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Die Geld-Scheindebatte




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Deutschland will Bargeldkäufe mit 5000 Euro beschränken, die EZB lässt durchsickern, dass sie an die Abschaffung des 500-Euro-Scheins denkt. Damit soll organisierte Kriminalität bekämpft werden, denn Konto-Überweisungen und die Verwendung von Karten lassen sich recht problemlos überwachen. Anschlag auf die Freiheit!, wettern die Kritiker, dadurch geriete jeder Bürger vollends unter staatliche Kontrolle.

Das Argument hat etwas für sich, Bargeld ist durchaus Ausdruck von persönlicher Freiheit.

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Nun wird die deutsche Bargeld-Debatte wohl auch nach Österreich schwappen, und die Aufregung darüber wird noch größer sein als beim Nachbarn. Denn beim Geld hört sich die Freundschaft auf, der Satz gilt hierzulande besonders.

Tatsächlich wird das Argument der Betrugsbekämpfung von Banken und Notenbanken auch vorgeschoben. Die Verteilung von Bargeld in Bankfilialen und Geschäfte verursacht Kosten, und derzeit will und/oder muss ja jeder sparen.

Die Bargeld-Debatte überstrahlt allerdings, dass die Lösung der wahren Probleme der legalen und illegalen "Steuerersparnis" politisch immer noch halbherzig angegangen wird. In Belgien und in Italien gibt es bereits Bargeld-Beschränkungen, beide Länder gelten trotzdem nicht als weltweite Vorbilder fiskalischer Behörden. Belgien ist eines jener Länder, deren Steuergesetze internationalen Konzernen Vergünstigungen in Milliardenhöhe bescherten. Und in Italien gehört - allen Verbesserungen zum Trotz - die Schwarzarbeit immer noch zum Alltag.

Der Kampf gegen organisierte Kriminalität muss zudem - siehe etwa die Aktivitäten im sogenannten Darknet - natürlich im Cyberspace stattfinden. Bargeld-Geschäfte mit 5000 Euro zu beschränken, könnte am Ende einer umfassenden Strategie für Verbrechensbekämpfung und Steuerehrlichkeit stehen, nicht an deren Beginn.

Das sollte auch den Regierungen klar sein.

Für Gesellschaften ist es ungleich wichtiger, die Finanzierung von Terror, Menschen-, Waffen- und Drogenschmuggel wirksam zu unterbinden, als einem Pfuscher auf die Spur zu kommen.

Wenn die Debatte um Bargeld-Beschränkung also Österreich erreicht, sollten Politiker und Notenbanker darüber nachdenken, wen sie wirklich treffen wollen. Sonst könnte eintreten, was einst am Balkan gang und gäbe war. Dort hatten viele ihr Geld "unter der Matratze" versteckt, abseits von Konten und Kontrollmöglichkeiten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-02-05 18:56:04
Letzte ńnderung am 2016-02-07 11:53:54



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