• vom 09.02.2016, 13:28 Uhr

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Update: 09.02.2016, 18:49 Uhr

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Europas Wahnsinn




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die Verhandlungen des britischen Premiers David Cameron mit der EU haben in Großbritannien nicht den gewünschten Effekt erzielt, die Zahl der Austrittsbefürworter steigt. Doch Europa steht vor einem viel weitergehenden Problem, und das zeigt sich in Griechenland. So gibt es erneut Zweifel, ob Griechenland die mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Regelungen einhalten kann. Gegen die drastischen Pensionskürzungen gibt es massive Proteste, auch die Bauern gehen auf die Straße. Die Börse in Athen ist auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren gefallen, das ist mehr als ein Alarmsignal. Gleichzeitig steigt der Druck auf Griechenland, den Flüchtlingsstrom aus der Türkei zu organisieren. An der Nordgrenze zu Mazedonien werden jedenfalls Zäune er- und ausgebaut. Wenn die ankommenden Flüchtlinge in Griechenland "gefangen" sein sollten, ohne dass es einen klaren Weitertransport gibt, drohen in Griechenland menschliche Tragödien und eine weitere soziale Destabilisierung des Landes.

Eine solche Isolation eines EU-Mitglieds würde aber dem Geist Europas widersprechen und die nationalistischen Kräfte weiter stärken. Nur Russland könnte sich darüber freuen, selbst skeptische EU-Bürger sollten dies besser nicht erfreulich finden.

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Denn im Verein mit dem wirtschaftlichen Zeitlupentempo der EU-Länder würde dies alles den Wohlstand und die Stabilität in Europa deutlich verringern. Und wer sollte davon etwas haben? Richtig, niemand. Allein die österreichische Idee, am Brenner die Grenze wieder zu errichten, würde die Unternehmen Milliarden kosten. Die logische Folge wäre ein Abbau von Arbeitsplätzen, der die Integration von asylberechtigten Menschen zusätzlich erschweren würde.

Nun mögen viele Menschen Angst haben vor den Flüchtlingen, doch Re-Nationalisierung taugt als Ausweg nicht. Es bedeutet gewaltsame Ausschreitungen an den diversen Staatsgrenzen, eine sündteure Barriere für den Waren- und Urlauberverkehr und gesteigerte Unsicherheit.

Europa hat einen gefährlichen Pfad gewählt, den nicht nur die Institutionen, sondern auch die Bürger schnell wieder verlassen sollten.

Sollte die EU zerbrechen, käme dies ungleich teurer als alle solidarischen Maßnahmen, die derzeit von nationalistischen Kräften bekämpft werden. Und es würde richtig ungemütlich - auch im (noch) reichen Österreich.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-02-09 13:32:07
Letzte ─nderung am 2016-02-09 18:49:24



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