• vom 17.02.2016, 15:15 Uhr

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Update: 17.02.2016, 15:52 Uhr

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Politische Umweltkosten




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat nun also errechnet, dass jährlich mehr als vier Milliarden Euro an Förderungen fließen, die als umweltschädlich bezeichnet werden. Ein ziemlicher Brocken darunter ist das sogenannte Pendlerpauschale. Nun gibt es einfachere Projekte in der Politik als die Abschaffung des Pendlerpauschalbetrages. Insgesamt schlägt diese Steuervergünstigung mit 560 Millionen Euro zu Buche.

Es zeigt sich aber an diesem Beispiel, wie viele Gestaltungsmöglichkeiten es in der Politik gäbe. Denn die Zahl der autofahrenden Pendler steigt, und das aus zwei Gründen. Erstens steigen die Mieten in den Ballungsräumen so rasant, dass sich viele Familien eine verkehrsmäßig günstig gelegene Wohnung nicht mehr leisten können. Sie weichen aufs Land aus, wo entweder die Mieten oder die Grundstückspreise noch erschwinglich sind.

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Zweitens wird der Nahverkehr in weniger frequentierte Ortschaften ständig ausgedünnt, Bahn- und Buslinien werden eingestellt. Sogar im Umfeld Wiens gibt es Ortschaften, die am Wochenende mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr zu erreichen sind. Und die recht unkontrollierte Expansion von Einkaufszentren an den Ortsrändern zu Lasten der Geschäfte im Ortsgebiet verlängert die Wege für den täglichen Einkauf. Firmen siedeln sich dort nicht an, da es sowohl Probleme der Erreichbarkeit als auch der Internetanbindung gibt.

Vielen Menschen bleibt dann nur das Auto.

Allein dieses Beispiel zeigt, dass nicht das Pendlerpauschale umweltschädlich ist, sondern eine nicht aufeinander abgestimmte Politik. Wohnbau, Verkehrsinfrastruktur, Ansiedlungs-Schwerpunkte und Raumordnung führen ein jeweils separatistisches Dasein - verneunfacht im föderalen Österreich. Die Folge: mehr Pendler.

Aus Umweltgründen das Pendlerpauschale zu streichen, würde an dieser Situation gar nichts ändern. Es wäre vielmehr notwendig, den öffentlichen Nahverkehr deutlich auszubauen, die oft erwähnte Breitband-Offensive viel geballter umzusetzen. Und in Raumordnung und Betriebsansiedlungen über Orts- und Bundesländergrenzen hinweg gemeinsame Ziele zu verfolgen.

Das klingt im real existierenden Österreich nicht nur utopisch, das ist es auch. Als Beruhigungspille wird es das Pendlerpauschale weiterhin geben, denn die Umweltkosten eines politischen Vakuums werden nirgends berechnet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-02-17 15:20:06
Letzte ńnderung am 2016-02-17 15:52:45



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