• vom 02.03.2016, 17:26 Uhr

Leitartikel

Update: 02.03.2016, 17:39 Uhr

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11. März, Hypo-Stichtag




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Banken und Investmentfonds sind - wenn etwas schiefgeht - normalerweise schnell mit dem Argument, dass ein Anleger auch prüfen muss, was er da kauft. Soll so sein. Das Argument gilt gleichermaßen für die Banken und die Fonds.

Sie kauften - ausgestattet mit dem damaligen Spezialwissen, dass die EU 2003 öffentliche Bank-Haftungen per 2007 untersagte - ohne Unterlass Anleihen derartiger Institute, auch solche der Hypo Alpe Adria. Die angebotenen Volumina - am Höchststand 20 Milliarden Euro - überstiegen die Möglichkeiten des (damals FPÖ-regierten) Landes Kärnten bei weitem.

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Ahnungslose Politiker, die Eigentümer und Aufsicht der Banken gleichzeitig waren, trafen auf skrupellose Banker, für die Geld abgeschafft schien. Bei etlichen öffentlich finanzierten Banken, in Deutschland etwa die WestLB oder die Düsseldorfer Hypo, endete das im Desaster.

Im Vergleich das größte Desaster legte die Hypo Alpe Adria hin. Denn der Verkauf an die BayernLB war keine Privatisierung, die Landeshaftungen blieben in (uneinbringlicher) Schönheit.

Nun wollen diese privaten Gläubiger nichts davon gewusst haben und pochen auf die vollständige Rückzahlung ihres Investments. Nach dem Motto: Bonitätsprüfungen der Papiere verlangen wir von unseren Kunden, wir selbst sind aber davon befreit.

Das nunmehrige Angebot des Finanzministers, Hypo-Papiere gegen Bundesanleihen zu tauschen, mag eine gewisse Schlitzohrigkeit beinhalten, aber es ist die freundliche Variante. Das grundsätzliche Angebot, 75 Prozent zu bezahlen, war - abseits aller rechtlichen Unwägbarkeiten - schon zu großzügig. Natürlich ist es grundsätzlich besser, ein milliardenschweres Klagsrisiko per Vergleich zu beseitigen. Doch wenn die Hypo-Gläubiger das Offert nicht annehmen, dann ist sogar zu hoffen, dass die Finanzmarktaufsicht den Schuldenschnitt mit 70 Prozent vornimmt. Dann sind die Forderungen noch 30 Prozent wert. Gute Reise für die folgenden Prozesse, die wenigstens zehn Jahre dauern und deren Erfolg mehr als zweifelhaft ist.

Dieselben Investoren versuchen es daher mit Erpressung: Wenn die Republik nicht zahlt, wird ihre Bonität schlechter und es teurer, die Staatsschuld zu bedienen. Ein dummes Argument. Es gibt im Vergleich nicht viele Länder auf der Welt mit Österreichs Wirtschaftskraft. Die Gläubiger sollten das Offert besser annehmen.




Schlagwörter

Leitartikel, Hypo, Heta, Banken, FMA

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-03-02 17:29:04
Letzte nderung am 2016-03-02 17:39:27



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