• vom 03.03.2016, 17:53 Uhr

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Update: 03.03.2016, 18:18 Uhr

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Negativzinsen




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Banken überlegen also, Kunden Negativzinsen zu verrechnen. Im Klartext: Wer sein Geld auf ein Sparbuch legt, müsste dafür bezahlen. Zwar wird versichert, dass dies Kleinanleger nicht treffen wird, sondern nur große Einlagen (etwa von Firmen), aber die Entwicklung macht natürlich allen Sorgen.

Die Banken argumentieren, dass sie ja selbst negative Zinsen von 0,3 Prozent bezahlen müssten, wenn sie Geld kurzfristig bei der EZB parken. Und die De-facto-Nullzinsphase belastet die Haupteinnahmequelle von Kreditinstituten: den Zinsüberschuss.

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Nun wird für möglich gehalten, dass die EZB diese Zinsschraube noch stärker anzieht. Sie will, dass das viele Geld nicht gehortet, sondern investiert wird.

Eine trügerische Hoffnung, denn Industrieunternehmen investieren wohl nur dann, wenn sie Marktchancen sehen - und nicht, weil die Zinsen niedrig sind. Das wirtschaftliche Umfeld ist allerdings nicht gerade ermutigend, Wachstumsprognosen wurden zuletzt nach unten revidiert.

Das billige Geld fließt dagegen in andere Veranlagungen, etwa im Immobilienbereich. Grundstücks- und Wohnungspreise steigen mit beunruhigender Rasanz.

Und so mancher Anlageberater macht derzeit ein gutes Geschäft mit allerlei Finanzprodukten, die hohe Rendite versprechen, aber auch hohe Risiken bergen.

Damit erreicht die EZB derzeit das Gegenteil dessen, was sie eigentlich wollte. Statt die reale Wirtschaft anzukurbeln - und damit auch die Inflation -, begünstigt zinsloses Geld die Bildung von Blasen. Wenn es zum Beispiel im Immobilienbereich eine Preiskorrektur nach unten geben sollte, müssten die Banken wohl Kreditausfälle verkraften.

Die EZB-Politik birgt derzeit auch noch die Gefahr, dass viele Private Erspartes einfach abheben und - wie in grauer Vorzeit - unter der Matratze verstecken. In diesem Licht ist auch die Debatte zu sehen, Bargeld beziehungsweise große Scheine abzuschaffen.

Doch dies sind reine Symptomkuren. Das Grundübel bleibt die relativ schwache Wirtschaftsentwicklung. Hier ist die Politik gefragt, die EZB kann keine Reformen in Europa beschließen. Wirtschaftspolitik scheint derzeit allerdings irgendwie abgeschafft. Also wird es wohl für Bankkunden zu Negativzinsen kommen.




Schlagwörter

Leitartikel, Negativzinsen, Banken, EZB

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-03-03 17:56:04
Letzte ─nderung am 2016-03-03 18:18:33



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