• vom 04.03.2016, 18:33 Uhr

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Update: 04.03.2016, 18:55 Uhr

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Stiften gehen




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die Vorgänge in Wiener Stiftungen rund um die Pleite des deutschen Holzstäbchen-Konzern German Pellets, bei dem viele Anleger sehr viel Geld verlieren werden, ist bemerkenswert. Da fuhrwerkt der Eigentümer von German Pellets quasi mit einem Wiener "Parallel-Konzern" herum. Jener Immobilienentwickler, der in Wien das Areal der Semmelweis-Klinik um wohlfeile 14,3 Millionen Euro erstehen durfte, agiert ebenfalls aus einer Privatstiftung heraus.

Insgesamt gibt es in Österreich mehr als 3200 Stiftungen. Deren steuerliche Begünstigung wurde im Lauf von Jahren reduziert, vorhanden ist sie dennoch. Nun sollte dem Gesetzgeber bei den Stiftungen allerdings etwas anderes einfallen. Denn diese Stiftungen wurden ursprünglich ermöglicht, um das drängende Problem der Betriebsnachfolge elegant lösen zu können. Familienfehden können so das Familienunternehmen nicht mehr ruinieren, denn eine Stiftung gehört sich selbst. Weder der Stifter noch der Stiftungsbegünstigte gelten als Eigentümer.

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Das haben nun viele erkannt. Mittels Stiftungen ist es möglich, nicht mehr als Eigentümer aufzuscheinen, aber trotzdem die Kontrolle über dieses Eigentum, meist Firmenanteile und Immobilien, zu behalten.

So ist es ganz legal möglich, neben existierenden Firmen Parallel-Universen aufzubauen, deren Vermögen geschützt sind, auch wenn es im selben Dunstkreis, aber halt außerhalb der Stiftung, zu einer Insolvenz kommt.

In früheren Jahren kamen Banken selbst auf diese Idee. Sie verschoben Kredite und Beteiligungen an Verlustfirmen in solche Stiftungen, weil sie sich damit Wertberichtigungen ersparten. Diese Art des Selbstbetruges auf hohem Niveau hat die Finanzmarktaufsicht beendet.

Bei den "Non-financials", also normalen Unternehmen, geht das nach wie vor. Nach Herzenslust werden Vermögenswerte, die im Pleitefall Dritten nicht zur Verfügung stehen oder keiner Person zugeordnet werden sollen, in Stiftungen geparkt. Solange diese nicht aufgelöst werden, geht alles gut.

Heerscharen von Anwälten und Wirtschaftstreuhändern haben sich auf dieses Stiftungsmodell, das mit dem Besitz ausländischer Tochtergesellschaften noch besser funktioniert, spezialisiert. Das System der Privatstiftungen hat seine Berechtigung, keine Frage. Deren Missbrauch sollte aber rasch abgestellt werden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-03-04 18:38:05
Letzte Änderung am 2016-03-04 18:55:31



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