• vom 08.03.2016, 19:20 Uhr

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Update: 08.03.2016, 19:33 Uhr

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Von Reinhard Göweil

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Die polnische Rechtsregierung nimmt sich das staatliche Fernsehen zur Brust. In Kroatien wird der Chef des staatlichen Fernsehens abgelöst. In Österreich droht der Klubobmann der ÖVP dem ORF-Generaldirektor recht unverhohlen mit seinem Karriereende, weil der "rote" Wrabetz dem aus der SPÖ stammenden Bundeskanzler ein einstündiges Interview gibt. (Ähnliches hatte sich davor in Deutschland abgespielt, als die Talkmasterin Anne Will die deutsche Kanzlerin zum Interview bat.)

Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Österreich ist wohl den osteuropäischen Partnerländen in vielem viel ähnlicher, als man sich vorstellen mag, auch in der Politik. Wer den diversen Winkelzügen vor der Wahl zum ORF-Generaldirektoren in der inoffiziellen ORF-Nachlese, "Standard Etat" folgt, steht recht fassungslos vor der dort entfalteten Machtpolitik. "Freundeskreise", wie die Vorfeld-Beiräte von SPÖ und ÖVP heißen, wechseln Mitglieder aus, um den jeweiligen "Stimmen-Block" geschlossen zu halten. Landeshauptleute tun das Gleiche und suchen sich den passenden ORF-Landesdirektor auch gleich aus. Mittels Rechtsgutachten wird nun festgestellt, ob sich allfällige Bewerber zum ORF-Chef an bestimmte Bewerbungsfristen halten müssen.

Man könnte einwenden, dass der Umbau des Sendezentrums - immerhin ein dreistelliges Millionenprojekt - vielleicht eine stärkere Aufsicht von Beginn an benötigt hätte. Aber was soll’s, es geht ja hier immerhin darum, allfällige Pläne des möglichen ÖVP-Kandidaten Richard Grasl für eine Bewerbung zu durchkreuzen - also etwas wirklich Wichtiges (Vorsicht: Ironie...). Kurzum, die Politik regiert in den ORF hinein, wie es ihr passt. Die nunmehrige Drohung Lopatkas gegen Wrabetz ist nur ein vorläufiger, aber sicher nicht DER Höhepunkt vor der Generaldirektoren-Wahl im August.

Oft wird deswegen gefordert, den ORF-Stiftungsrat von derzeit 35 Mitgliedern zu verkleinern. Nun, politische Spielchen lassen sich auch mit weniger Personen spielen. Es wäre an der Zeit, dass die politischen Funktionäre sich einer aufgeklärteren Medienpolitik zuwenden. Dazu gehört etwa die Erkenntnis, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht im Eigentum gerade gewählter Parteien steht. Ich weiß schon, es ist ein frommer Wunsch, aber ohne Zurückhaltung der Parteien zum Nutzen der demokratischen Gesellschaft wird es wohl nicht gehen. Und die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt...

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Leitartikel, ORF

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-03-08 19:23:05
Letzte ńnderung am 2016-03-08 19:33:51



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