• vom 18.03.2016, 18:00 Uhr

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Update: 18.03.2016, 19:31 Uhr

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Immobilien-Irrsinn




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Leistbares Wohnen ist angesagt, die Politik will Mieten wieder erschwinglich machen, vor allem im Ballungsraum Wien und in den Landeshauptstädten (mit Salzburg als Ausreißer nach oben an der Spitze). Ein löbliches Unterfangen, leider ohne große Erfolgsaussichten.

Denn die Vorgänge um das städteplanerische Projekt beim Wiener Nordbahnhof zeigen, wie es geht: Die ÖBB verkaufen Grund an die Bank Austria, diese verkauft ihn weiter an die Signa-Immobiliengruppe, die wiederum verkauft ihn weiter an deutsche Immobilienfonds. Und überall hängen Investoren dran, die mit ihrem Geld vor allem eines wollen: Rendite erwirtschaften.

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Wenn also Signa den "Austria Campus" weiterverkauft, wird es einen neuen, höheren Preis geben, und an diesem Preis orientiert sich die gesamte Umgebung.

Nun kann richtigerweise eingewendet werden, dass diese Investoren erwarten können, dass sich ihr Geld verzinst.

Dabei schlägt die Stunde der Politik, die leistbares Wohnen umsetzen will. Sie muss nun die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank bekämpfen, um derartige Investments weniger lukrativ zu machen. Dazu gibt es steuerliche Möglichkeiten. So gibt es eine Spekulationsfrist von zehn Jahren für private Immobilienverkäufe. Die könnte in voller Schönheit für luxemburgische Fonds gelten und für Kapitalgesellschaften, die Immobilien besitzen.

Oder es gibt ein Südtiroler Modell, wonach bei Immobilienveräußerungen ab einer bestimmten Größenordnung ein Teil davon zwingend (und zu niedrigen Preisen) dem sozialen Wohnbau zur Verfügung stehen muss. Südtirol lebt damit gut, niemand hat der Provinz jemals autonome planwirtschaftliche Attitüden unterstellt.

Es liegt also an der Politik, den Finanzprodukt-Reigen bei Immobilien zu unterbrechen. Diese sind mittlerweile nichts anderes als jene spekulativen Produkte, die 2007 die Subprime-Krise
in den USA auslösten. Dort wurden Immobilienkredite gewährt, die von den Kreditnehmern niemals bezahlt werden konnten. Um das zu verschleiern, wurden aus diesen Krediten Wertpapiere gezimmert, deren Kauf so manche europäische Bank ruinierten - und zur Finanz- und Euro-Krise führten.

Das alles scheint vergessen. Und leistbares Wohnen kann es in einer solchen Umgebung nie und nimmer geben.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-03-18 18:05:05
Letzte ńnderung am 2016-03-18 19:31:33



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