• vom 21.03.2016, 14:20 Uhr

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Update: 21.03.2016, 14:47 Uhr

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Ungleich




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Im aktuellen Bericht der deutschen Bundesbank wird eine wachsende Vermögenskluft in der deutschen Gesellschaft konstatiert. Ähnliches gilt für Österreich. Einer der Gründe dafür liegt wohl in der ungleichen Chancenverteilung, die sich aus der Globalisierung ergibt. Dabei geht es vor allem um Firmen- und Immobilien-Vermögen.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was eine Gesellschaft gegen diese wachsende Ungleichheit tun soll und kann. Es beginnt sehr früh bei der Ausbildung. Gleiche Chancen bei der Ausbildung werden zwar gerne gefordert, aber können immer weniger eingehalten werden. Dabei geht es nicht um Schulbesuch, sondern darum, welche Fertigkeiten die Kinder dort erlernen.

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Wenn die Zahl der partiellen Analphabeten bei den Jungen wächst, läuft auch etwas in der Schule falsch. Unter anderem, dass die Gesellschaft die Ausbildung der kommenden Generationen offenbar nicht flächendeckend als Wert definiert. Die Schule sollte Defizite aus dem Elternhaus ausgleichen, doch dies kann die Schule nicht. Nur Reiche können ihre eigene Verwahrlosung mit Geld ausgleichen, indem sie Kinder auf sündteure Internate schicken.

Irgendwie ist auf dem Weg zum reichen Wohlfahrtsstaat die Diskussion abhandengekommen, dass ein Staat zwar genügend Schulen und Lehrer zur Verfügung stellen muss, aber dass es daneben auch noch so etwas wie Eigenverantwortung gibt. Das ist nicht immer der Fall, doch auch hier offenbart sich ein staatliches Defizit: Zwischen Jugendämtern und Schulen gibt es viel zu wenig Abstimmung, dafür klare bürokratische Regeln, in denen die Form oftmals den Inhalt ersetzt. Engagierte Menschen tun sich immer schwerer, sich in dieser Bürokratie durchzusetzen.

Wenn also wachsende Ungleichheit beklagt wird, so darf dies nicht auf den Slogan "Reichensteuer" reduziert werden. Es muss darüber hinaus eine gesellschaftliche Diskussion geben, die fehlende Kulturtechniken von Jugendlichen als wenigstens so schlimm definiert wie hohe Arbeitslosigkeit. Diese Art einer tiefgehenden gesellschaftlichen Debatte ist irgendwie verschwunden, Systeme werden repariert, aber nicht mehr grundlegend hinterfragt. Damit aber verstärkt die Politik die Ungleichheit, ohne dies zu wollen - und vermutlich auch oftmals ohne sich dessen bewusst zu sein.




Schlagwörter

Leitartikel, Ungleichheit, Bildung

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-03-21 14:26:04
Letzte ─nderung am 2016-03-21 14:47:42



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