• vom 22.03.2016, 16:28 Uhr

Leitartikel

Update: 22.03.2016, 16:58 Uhr

Brüssel

Belgien, ein Desaster




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Von Reinhard Göweil

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Hass und Gewalt haben in Brüssel gesprochen. Es ist ein Angriff auf Europa, recht viel direkter und unverschämter geht es wohl nicht. Abseits der Trauer und des Abscheus muss aber Belgien immer kritischer beäugt werden.

Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die EU-Hauptstadt ist eine der am schlechtesten verwalteten Städte Europas, dazu gehört auch die Sicherheit. Der vertrottelte Streit zwischen Flamen, die niederländisch sprechen, und der "französischen" Wallonie hat zu einer umfassenden Lähmung geführt. Die sozialen Probleme Brüssels treffen auf zerstückelte Behörden, die lieber gegeneinander arbeiten, als sich um die wahren Probleme zu kümmern. Es ist unvorstellbar, dass etwa in Washington Vergleichbares passieren könnte.

Doch Belgien ist weder in der Lage, das eigene Land zu schützen, noch die EU-Institutionen. Nach den Anschlägen in Paris wurde Brüssel tagelang von den Behörden lahmgelegt, im Problemviertel Molenbeek (das in Wahrheit eine eigene Gemeinde ist) wurden pausenlos Razzien durchgeführt. Effekt: null. Erst vor wenigen Tagen wurde der Terrorist Abdeslam in Brüssel verhaftet, schon dabei schlüpften der Polizei zwei Komplizen durch die Finger. Seit gestern ist klar, dass die Terroristen in Brüssel trotz der mannigfaltigen Kontrollen unbehelligt ihre tödlichen Aktionen planen und durchführen konnten. Es ist wohl zu befürchten, dass selbst der belgische Geheimdienst in einen flämischen und einen wallonischen Teil zerfällt.

Das "Terror-Nest" Brüssel wird so lange eines bleiben, solange Belgien keine politischen Reformen durchführt oder eben EU-Behörden die Sicherheit Brüssels übernehmen. Wenn die Terrororganisation IS die Verantwortung dafür übernimmt, so muss dem Königreich Belgien und seiner vollkommen unzureichenden Organisation eine Mitschuld gegeben werden.

Dass die EU im Visier radikal-islamistischer Gruppen steht, ist nicht erst seit gestern bekannt. Dass in einer U-Bahnstation wie Maelbeek, die sich in unmittelbarer Nähe der Kommission und des Europarlaments befindet, eine so verheerende Bombe hochgehen kann, ist ein unerträgliches Versagen Belgiens. Ein Staat hat die Aufgabe, Bürger und Institutionen zu schützen. Auch wenn es keinen hundertprozentigen Schutz gegen Terror geben kann, Belgien kann das nicht einmal ansatzweise und sich auch nicht darauf ausreden, dass es keine EU-Lösung gibt.

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Dokument erstellt am 2016-03-22 16:32:04
Letzte ─nderung am 2016-03-22 16:58:51



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