• vom 04.04.2016, 17:16 Uhr

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Update: 04.04.2016, 17:29 Uhr

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Die Schneider von Panama




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

In den Steueroasen der Welt liegen Geldvermögen im Ausmaß von rund 32.000 Milliarden Dollar. Dies entspricht der dreifachen Wirtschaftsleistung aller Euroländer. Wir reden also von viel, sehr viel Geld. Offshore-Zentren werden sie auch genannt. Offshore bedeutet außerhalb - doch außerhalb wovon und wofür?

Dienstleister wie Mossack Fonseca in Panama schneiden dabei mit, nicht zu knapp, indem sie genau diese Fragen nicht stellen. Die Antwort wäre nämlich das Ende ihres Geschäftes: Es geht um Gier und im besten Fall um den Missbrauch von wirtschaftlicher Freiheit. Es geht auch um Diebstahl, Betrug und Korruption. Und es geht auch um Terror und Mord in Form organisierter Kriminalität. Alle Beteiligten an diesen Schatten-Konstruktionen wissen, was sie tun. Ihr Satz, sie seien nur Makler legaler Steuermöglichkeiten, ist Mumpitz.

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Die wahren Schneider von Panama sind aber nicht Mossack Fonseca & Co. Sondern es sind die Regierungschefs der acht bedeutendsten Länder der Welt. Diese G8 genannte Gruppe beschloss 2013 bei einem Treffen in Nordirland, Steueroasen auszutrocknen. Passiert ist seither weniger als nichts. Zwar wurden die Bestimmungen in (britisch kontrollierten) Karibik-Inseln verschärft, doch US-Bundesstaaten wie Nevada und Wyoming bieten sich seither weltweit als Steueroasen an - und haben ihre Steuergesetze erleichtert. Die Superreichen, Gangsterbosse und Ober-Korruptionisten (sowie deren Schnittmenge) nehmen diese Entwicklung gefällig zur Kenntnis. Wo ihr Geld blickdicht und steuerschonend liegt, ist ja wirklich egal.

Wenn also nach den Enthüllungen der "Panama Papers" die politische Empörung groß ist und Aufklärung verlangt wird, ist dies lieb, aber naiv. Um die Steueroasen trockenzulegen, wäre eine globale Anstrengung notwendig. Die gibt es offenkundig nicht - siehe G8-Treffen 2013. Derzeit ist es nur so, dass die Schweiz etwas sauberer wird, aber dafür Dubai schmutziger.

Die westlichen Demokratien tun sich mit dieser Art Laissez-faire nichts Gutes. Denn Steueroasen erhöhen die Ungleichheit beträchtlich. Der kleine Gewerbebetrieb kann sich eine Panama-Konstruktion nicht leisten. Übrig bleibt bei vielen das unangenehme Gefühl, dass mit dem Grad der Skrupellosigkeit auch der Steuersatz sinkt. Ehrlichkeit zahlt sich nicht aus, rufen uns die Schneider aus Panama laut zu. Ein fataler Satz.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-04-04 17:20:06
Letzte ńnderung am 2016-04-04 17:29:59



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