• vom 26.04.2016, 17:25 Uhr

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Update: 26.04.2016, 17:44 Uhr

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Kontrollverlust?




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die bevorstehende Stichwahl zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen wird zum politischen Belastungstest. Zwar werden beide Kandidaten staatsmännisch auftreten und einander auch so gegenübertreten, doch die Dynamik rundherum hat niemand unter Kontrolle. So manche Hofer-Anhänger werden mit braunen Rülpsern provozieren und viele Bürger verschrecken. So manche Befürworter Van der Bellens werden - in NOWKR-Manier - gegen Nazis demonstrieren und damit ebenfalls viele Bürger verschrecken.

Öl ins Feuer gießen die schwer geschlagenen Regierungsparteien, die ihr gegenseitiges Misstrauen wohl noch akzentuierter ausdrücken werden, was nicht gerade stabilisierend wirkt. Der Riss Hofer/Van der Bellen geht zudem quer durch beide Parteien, in der SPÖ ist er halt klarer zu sehen.

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Weder Hofer noch Van der Bellen haben es in der Hand, dies zu steuern. Es wird wohl heftig werden, eher Wahlkampf denn Wahlauseinandersetzung.

Wenn beide Kandidaten dem angestrebten Amt und der Republik etwas Gutes tun wollen, dann absolvieren sie - auch wenn dies ungewöhnlich wäre - in den kommenden Tagen einen gemeinsamen Termin. Dort könnten sie erklären, dass es nicht um die Existenz der Republik und die Mutter aller Wahlschlachten geht (die blöde Metapher taucht sicher in Headlines auf), sondern um die Frage, wer Bundespräsident wird.

Sie könnten Medien (auch in den sozialen Plattformen) auffordern, sich nicht von einer bereits spürbaren Hysterie anstecken zu lassen.

So bezeichnen es FPÖ-Anhänger als "hilfreich", wenn die Demos gegen Hofer besonders wütend ausfallen - ein schändlicher und unwürdiger Gedanke.

Van der Bellens Befürworter bemächtigen sich ebenfalls einer Generalmobilmachungssprache, die dem Anlass nicht entspricht. Und zu guter Letzt könnten auch die arg dezimierten, aber regierenden Parteien SPÖ und ÖVP mithelfen, die knapp vier Wochen bis zum 22. Mai zivilisiert ablaufen zu lassen.

Das ist wünschenswert, denn die Republik wird am 23. Mai weiter existieren. Und sie muss nach wie vor mit einem Bündel an Herausforderungen fertig werden. Wenn danach zwei Lager einander unversöhnlich gegenüberstehen, wäre das für Österreich schlimm - sehr schlimm sogar.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-04-26 17:29:07
Letzte ─nderung am 2016-04-26 17:44:53



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