• vom 06.05.2016, 15:54 Uhr

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Update: 06.05.2016, 17:03 Uhr

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Der große Frust




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die Forderung der Landesparteien nach einer Kurskorrektur sei auf gar keinen Fall gegen den Parteivorsitzenden gerichtet, sagte der Klubobmann. Einen Tag später war der Vorsitzende Geschichte. Das trug sich am 25. und 26. August 2014 zu - Günther Platter und Josef Pühringer feuerten Richtung Wien, Reinhold Lopatka kalmierte, Michael Spindelegger ging.

Ein paar Tage davor hatte die "Kronen Zeitung" berichtet, dass Doris Bures die Nachfolge der verstorbenen Barbara Prammer als Nationalratspräsidentin antreten werde. Hinter der Indiskretion wurde Werner Faymann vermutet, in der SPÖ grummelte es, weil die zuständigen Gremien die Nominierung noch gar nicht beschlossen hatten. Doch es blieb ruhig in der SPÖ, dafür krachte es wieder einmal in der ÖVP.

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Seit 24. April 2016 ist es umgekehrt. Nicht, dass ÖVP-Präsidentschaftskandidat Andreas Khol ein tolles Ergebnis eingefahren hätte - 11,1 Prozent waren vielmehr grottenschlecht. Aber die nicht wirklich besseren 11,3 Prozent des SPÖ-Kandidaten Rudolf Hundstorfer führten in der SPÖ zu einer in dieser Dimension ungekannten Personaldiskussion, in der ÖVP dagegen blieb es still.

Diese Umkehr der bisherigen politischen Gepflogenheiten liegt wohl vor allem an Faymann selbst. Im Gegensatz zur ÖVP, die immer schon mit mehreren Machtzentren leben musste, gab es in der SPÖ immer nur eines: im Bund. Dieses Machtzentrum ist verschwunden, weil die SPÖ als Bundespartei abgetreten ist, inhaltlich und organisatorisch. Den Kritikern daran die Schuld zuzuweisen ist ein beliebter Trick, der dadurch nicht richtiger wird.

Da die SPÖ - im Gegensatz zur ÖVP - derart kritische Situationen nicht wirklich kennt, tut sie sich auch hart damit umzugehen. Zwar wird das alte Credo bemüht, die Diskussionen doch intern zu führen, doch der aufgestaute Frust ist viel zu groß geworden. Boulevardzeitungen tun das ihre, um echte und vermeintliche Gegnerschaften detailreich zu zelebrieren.

In den kommenden zwei Tagen wird in der SPÖ telefoniert, kommuniziert und intrigiert - wie weiland in der ÖVP. Den einen geht es um Inhalte, den anderen um (auch eigene) Köpfe.

Leider wird dabei ein kleines Detail außer Acht gelassen: Politik ist kein sich selbst genügendes System. Ach ja, übrigens: Wie geht es eigentlich beim nach dem 24. April von den Regierungsparteien ausgerufenen Neustart voran?




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-05-06 15:59:05
Letzte nderung am 2016-05-06 17:03:57



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