• vom 10.05.2016, 18:25 Uhr

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Update: 10.05.2016, 18:34 Uhr

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Generationen-Konflikt




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

In der aktuellen SPÖ-Debatte hat sich herausgestellt, dass der in seiner Partei gerne als allmächtig dargestellte Wiener Bürgermeister nicht alles so durchsetzen kann, wie er sich das gedacht hat.

In der ÖVP läuft das derzeit ähnlich. Während der in seiner Partei gerne als allmächtig dargestellte niederösterreichische Landeshauptmann vorgezogene Neuwahlen ablehnt, ist die "junge Truppe" um Gernot Blümel nicht abgeneigt. Dessen Wiener ÖVP ist zwar in der Bundeshauptstadt politisch eher unbedeutend, aber das dachte der Ex-SPÖ-Vorsitzende auch von der Salzburger Landespartei.

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In der SPÖ sehr laut, in der ÖVP noch leiser (weil die dem Treiben des alten politischen Gegners lauscht), gibt es einen Konflikt zwischen Alt und Jung. In der SPÖ wird die Diskussion von Politikexperten als "linker vs. rechter Flügel" beschrieben. Das ist Unsinn. Es ist der Aufstand der Jungen (wobei in Parteien Jugend recht großzügig definiert wird) gegen die "Alten".

Bei der ÖVP könnte das Ringen als "konservativer vs. liberaler Flügel" definiert werden, aber auch dort geht es um Alt gegen Jung.

Auch wenn die beiden es vermutlich nicht gerne hören werden, aber Julia Herr (24) und Gernot Blümel (34) verbindet miteinander mehr als mit ihren jeweiligen Partei-Größen Häupl und Pröll.

Die beiden Machtpolitiker sind es gewohnt, Dinge untereinander auszumachen. Über Fakten, die geschaffen sind, lässt sich schwer abstimmen. Dieses Konzept, auch wenn es nach Klüngelei riecht, hat das Land dorthin gebracht, wo es heute steht. Und es ist - trotz der momentanen Lähmung - ein reiches Land.

Die jungen Funktionäre in den traditionellen Regierungsparteien dagegen ringen um neue Inhalte. Sie wollen ein gesellschaftspolitisches Konzept, das Zukunft berücksichtigt - und reden erst danach über die dazugehörige Macht- und Personalpolitik. Wenn die beiden Parteien, die trotz aller Gegensätze die Zweite Republik bis vor kurzem ganz gut geschaukelt haben, klug sind, setzen sie auf diese Jungen.

Denn die müssen eine neue Gemeinsamkeit finden. Der Kitt von gemeinsam von den Nazis ins KZ gebrachten SPÖ- und ÖVP-Politikern ist endgültig Historie. Wenn die Jungpolitiker ihre demokratische Gemeinsamkeit nicht selber finden, kommen jene ans Ruder, die Freiheit und Europa anders definieren. Was weder Frau Herr noch Herrn Blümel gefallen dürfte.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-05-10 18:29:06
Letzte Änderung am 2016-05-10 18:34:50



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