• vom 13.05.2016, 18:45 Uhr

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Update: 13.05.2016, 18:51 Uhr

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Der Präsident




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die SPÖ hat es unabsichtlich geschafft, den Präsidentschaftswahlkampf, der vor drei Wochen noch die Republik erschütterte, zu einer Randnotiz werden zu lassen. Das wird sich wohl bis zum 22. Mai nicht mehr ändern. Für den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer, der als Favorit gelten muss, ist dies schwieriger als für Alexander Van der Bellen. Denn eine verbesserte Stimmung in der SPÖ mag etliche ihrer Wähler, die am 24. April verweigerten, aus der Lethargie reißen.

Gleichzeitig kommt die FPÖ mit ihren Aussagen nicht zur Geltung. Aus dem Satz, wonach EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Van der Bellen als Staatsoberhaupt bevorzugen würde, versuchte der listige Herbert Kickl eine "Bevormundung des Auslands" zu machen. Ganz nach Kurt Waldheims Motto: "Wir wählen, wen wir wollen." Doch die Sätze kommen nicht mehr an, Christian Kern und der radikale Umbau des SPÖ-Regierungsteams überstrahlen derzeit alles.

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Van der Bellen meinte jüngst: "Es steht Spitz auf Knopf." Und das dürfte richtiger sein, als viele denken. Mehr als 35 Prozent für Hofer im ersten Wahlgang streckten die FPÖ in Richtung ihres "größtmöglichen Wählerkreises". Eine runderneuerte SPÖ und eine darob reformwillige ÖVP sind für die Freiheitlichen keine gute Mischung. Von den früheren Großparteien sind beide weiterhin weit weg, aber die FPÖ - und damit auch ihr Kandidat Hofer - hat ein Problem: Sie lebt vom Nimbus des Erfolgs. Wenn sie kommende Woche in den (wohl unvermeidlichen) Umfragen sinkt, steht sie zwar immer noch gut da, aber nicht mehr strahlend.

Die große Frage wird also sein, wie hoch die Wahlbeteiligung am 22. Mai ist. Wenn Hofer das Duell gegen Van der Bellen noch verliert, kann sich indirekt auch Kanzler Kern als Sieger fühlen. Ein Gefühl, das die SPÖ seit langem vermisst. Trotz allem bleibt Hofer der Favorit, sein Vorsprung ist groß, und viele Wähler von Irmgard Griss dürften eher zu Hause bleiben oder ungültig wählen.

Doch ein knappes Ergebnis würde dem durchaus bedrohlichen Satz Hofers, "Sie werden sich noch wundern, was alles geht", einiges an realer Schärfe nehmen. Denn dadurch bescheinigen ihm viel mehr Bürger, das Land zu spalten, als Van der Bellen. Angesichts der innenpolitischen Turbulenzen ist dies schlecht für Hofer, denn gerade deswegen schätzen die Österreicher in der Hofburg einen "guten Onkel".




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Dokument erstellt am 2016-05-13 18:50:07
Letzte nderung am 2016-05-13 18:51:12



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