• vom 16.05.2016, 19:00 Uhr

Leitartikel

Update: 16.05.2016, 19:06 Uhr

Leitartikel

Politik interessiert




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (20)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Leitartikel

Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Nicht eine Sendung, in der Bauern, Wirte oder sonstige Berufsgruppen eine Frau suchen, sondern ein Polit-Talk wurde zum Quotenknüller für den Privatsender ATV. Dass der dann eher Unterhaltungs- denn Informationscharakter hatte, konnte ja vorher niemand ahnen. Aber das Beispiel zeigt das enorme Interesse der Bürger an Politik und politischen Inhalten.

Es darf also qualifiziert angenommen werden, dass die bevorstehenden ersten öffentlichen Auftritte von Christian Kern als neuer Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzender erhebliches Publikumsinteresse hervorrufen werden.

Werbung

Der Jammer dabei ist das der Politik innewohnende zerstörerische Element. Je besser Kern "über die Bühne kommt", desto rascher wird Österreich wählen gehen. Den jeweils anderen nicht aufkommen lassen, ihm keinen Erfolg gönnen - und vor allem ihn in den sozialen Medien kleiner machen: Das zählt in der Politik oftmals mehr als der gemeinsame Erfolg für ein Land, das Politiker eigentlich vertreten.

Dabei hätte die jetzige Konstellation das Zeug, endlich umzusetzen, was lange liegen geblieben ist. Die Themen liegen alle auf dem Tisch: Bildung, Arbeitsmarkt, Europa - beziehungsweise als Querschnittsmaterie Chancengleichheit.

Während also die Bürger durchaus interessiert sind, was - sagen wir - TTIP oder Industrie 4.0 denn nun wirklich für die Arbeitsplätze im Land bedeuten, schwimmt die Politik (Regierungs- und Oppositionsparteien) oberflächlich in den Themen herum.

Kerns Zugang, seine Ideen und seine künftige Mannschaft zuerst jenen zu präsentieren, die dafür auch gewählt wurden, bietet die Chance auf etwas Neues. Da ist jemand, der die Institutionen ernstnimmt. Wer das tut, nimmt meist auch die politischen Themen ernst und gibt sich nicht mit einer vergänglichen Schlagzeile zufrieden. Ob der Regierungspartner ÖVP da mitspielt, muss bezweifelt werden, in den sozialen Medien hat das "dirty campaigning" bereits begonnen.

Am Ende steht vielleicht, dass auch Christian Kern scheitert, doch die ÖVP wird mit ihm scheitern. Der ÖBB-Chef wird als letzte Chance für die SPÖ bezeichnet. Wenn das stimmt, ist es aber auch die letzte Chance für die ÖVP.

Wenn beide Parteien klug sind, nehmen sie das Interesse der Bürger an Politik ernst. Dazu gehört allerdings, dass sie Antworten geben, die den Fragen gerecht werden.




Schlagwörter

Leitartikel

4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-05-16 19:05:08
Letzte ─nderung am 2016-05-16 19:06:36



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Erleichterung in der EU, aber das wird nicht reichen
  2. Klare Haltung zahlt sich aus
  3. Die Chance auf eine neue Republik
  4. Adieu, Währungsunion
  5. Auf dem Weg in das autoritäre 21. Jahrhundert?
Meistkommentiert
  1. Ich wähle Van der Bellen - nicht
  2. Russlands digitaler Krieg
  3. Wir werden uns noch wundern . . .
  4. Adieu, Währungsunion
  5. Schicksalsjahr 2017

Werbung