• vom 30.05.2016, 15:48 Uhr

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Update: 30.05.2016, 16:06 Uhr

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Sozialpartner-Lehren




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die Sozialpartner seien Teil der Lösung und nicht des Problems, sagte Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske auf die Vorwürfe des Vizekanzlers im "Kurier". Nun, richtig ist wohl beides. Im Moment wird tatsächlich nicht über die Aussage Reinhold Mitterlehners sachlich diskutiert, sondern die heiße Kartoffel "Reformfreude" einfach hin- und hergeschoben.

Das freilich ist so sinnlos wie ein Kropf.

Gleichfalls richtig ist, dass die Sozialpartner (inklusive der offiziell nicht dazugehörenden Industriellenvereinigung) im Bildungsbereich gute Vorschläge gemacht haben.

Richtig ist allerdings auch, dass die Arbeiter- und die Wirtschaftskammer bei etlichen drängenden Themen eine Art "Nicht-Angriffspakt" geschlossen haben. Beim Thema Lehrausbildung ist die Wirtschaftskammer quasi die Sozialpartnerschaft. Arbeiterkammer und Gewerkschaften mischen sich kaum ein. Sollten sie aber, denn die Zahl jener Jugendlichen, die zwar eine Ausbildung, aber keine Abschlussprüfung absolvieren, steigt - in Wien liegt sie bei mehr als 20 Prozent.

Gleichzeitig sinkt die Zahl der Lehrlinge ausbildenden Betriebe dramatisch, seit 2005 um ein Fünftel. Betriebe jammern hier, dass die bürokratischen Erfordernisse vor allem für Kleinbetriebe einfach zu groß geworden sind. Und dass Kleinstfirmen, die nicht alle notwendigen Fertigkeiten offerieren können, einen "Ausbildungsverbund" bilden, ist überhaupt so gut wie unmöglich.

Es wäre also für die Sozialpartner ein lohnendes Ziel, sich gemeinsam darüber Gedanken zu machen, wie das duale System verbessert werden kann. Die Sozialversicherungen kontrollieren sie selbst, hier könnte eine Entbürokratisierung recht autonom erfolgen.

Gleichfalls schwach vertreten werden von den Sozialpartnern die abertausenden Ein-Personen-Unternehmen. Sie sind Mitglieder der Wirtschaftskammer, doch diese hat - bei allem Respekt - bisher keine adäquate Vertretung für sie organisieren können. Die Arbeiterkammer weiß das, hält sich aber aus "Sozialpartner-Räson" zurück.

In beiden Bereichen wäre es den Sozialpartnern also selbst möglich, effizienter vorzugehen - und die Verdrossenheit von Unternehmern und Arbeitnehmern zu reduzieren. Sollten dazu auch Gesetzesänderungen nötig sein, sind sie von der Regierung laut und deutlich einzufordern. Dann hätte Mitterlehner nichts mehr zu kritisieren...

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-05-30 15:53:05
Letzte ─nderung am 2016-05-30 16:06:00



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