• vom 10.06.2016, 17:25 Uhr

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Update: 10.06.2016, 17:46 Uhr

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Europas Armut




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Südeuropa verarmt - zu diesem Schluss kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung über die Arbeitslosigkeit in Europa. Vor allem in diesen Ländern ist die Langzeitarbeitslosigkeit bestürzend hoch, nicht nur bei älteren, sondern auch bei jungen Menschen. 48 Prozent aller 22 Millionen Arbeitslosen in den EU-Ländern sind länger als ein Jahr ohne Job. Besonders schlimm schaut es eben in den südeuropäischen Ländern aus.

Gleichzeitig müssen - etwa in Griechenland - Sozialleistungen gekürzt werden, um die Budgeteinsparungen zu erreichen.

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Das Beispiel zeigt recht gut, dass es zwar en vogue ist, weniger Europa zu fordern, doch wie sollte eine solche Armutskrise sonst gelöst werden außer durch europäische Solidarität?

Die Studie stellt fest, dass die Langzeitarbeitslosigkeit Länder in Südeuropa immer tiefer in den Strudel reißt, denn ihr folgen psychische und gesundheitliche Probleme der Betroffenen. Das wiederum erschwert nicht nur deren Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, sondern belastet auch die sozialen Systeme ein zweites Mal.

Eine Reaktion darauf war, Ländern wie Italien mehr Zeit einzuräumen, um ihre Budgets in Ordnung zu bringen. Das wird auch von der Denkfabrik der Industrieländer, der OECD, befürwortet. Deutschland dagegen kritisierte die EU-Kommission dafür hart.

Eine reichlich kurzsichtige Reaktion. Denn die Armutsgefährdung in Südeuropa lässt große Absatzmärkte der deutschen Industrie schrumpfen, was nicht im Sinne des Erfinders sein kann.

Vielmehr müsste gerade Deutschland sein Investitionsniveau deutlich hochfahren, die dortige Infrastruktur ist in vielen Bereichen des größten Industrielandes Europas unwürdig. Von diesen Aufträgen könnten auch südeuropäische Firmen profitieren.

Mit dem Motto "weniger Europa" auch im wirtschafts- und sozialpolitischen Bereich nationale Lösungen zu verlangen, würde am Ende alle ärmer machen, nicht nur Südeuropa. Welchen Sinn das genau haben soll, erschließt sich auch auf den zweiten Blick nicht.

Die Regierungschefs der EU sollten auf die Expertenanalysen hören. Denn gerade bei den großen makroökonomischen Leitlinien wären europäische Lösungen wachstumsfördernd. Im Gegenzug könnte die kleinteilige Regulierungswut (Beispiel Glühlampen) abgeschafft werden. Auch das würde Firmen die Arbeit erleichtern.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-06-10 17:29:07
Letzte ─nderung am 2016-06-10 17:46:31



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