• vom 04.07.2016, 16:51 Uhr

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Update: 04.07.2016, 18:02 Uhr

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Das britische Chaos




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

David Cameron: weg. Boris Johnson: weg. Nigel Farage: weg. Letzterer nur als Parteivorsitzender der rechtspopulistischen Ukip, sein wohlbestalltes Mandat im Europaparlament (ausgerechnet!) behält er. Der noch amtierende Schatzkanzler George Osborne kündigte an, er werde die Gewinnsteuern für Unternehmen von jetzt 20
auf unter 15 Prozent senken, damit Firmen auch nach dem Brexit nicht abwandern.

Festland-Europa kann derzeit viel lernen vom innenpolitischen Chaos in Großbritannien - und darf durchaus fassungslos sein. Denn die Verantwortlichen des Brexit machen sich in London einfach aus dem Staub und genießen ihren persönlichen Wohlstand.

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Auf der anderen Seite macht sich die Insel zum Steuerparadies. Diese Steuergeschenke kosten die öffentlichen Haushalte Milliarden Pfund, die wohl durch Einsparungen im sozialen Bereich hereingebracht werden müssen. Die britischen Bürger bezahlen also die Rechnung gleich doppelt. Erstens, weil sie von Snobs mit haarsträubenden Ammenmärchen aus der EU gelockt worden sind, und zweitens, weil sie nun das Aufräumen auch noch bezahlen müssen.

Wenn also in den kommenden Wochen von Öxit oder Ähnlichem die Rede sein sollte, lohnt der Blick auf die britische Insel. Die Populisten erzählen irgendwas. Meist, dass alles gut wird, wenn es die EU nicht mehr gibt.

Nun stellt sich am britischen Chaos heraus: Dem ist leider nicht so. Die Wirtschaftsdynamik des Vereinigten Königreichs wird sich signifikant verlangsamen.

Die rechten Populisten dort stellen sich ihrer politischen Verantwortung dafür nicht. Und sie verhandeln mit der EU auch keinen neuen Freihandelsvertrag, den sie den britischen Bürgern versprochen haben. Denn ein solcher wird nicht annähernd so glorios ausfallen, wie sie es sich gedacht haben.

Dass in so einem politischen Umfeld die Lust der Schotten steigt, aus dem Vereinigen Königreich auszusteigen, darf niemanden wundern. Dann ist am Ende Großbritannien als Staat auch noch zerfallen, nur weil wenige unverantwortliche Politiker persönliche Eitelkeit über das Staatswohl gestellt haben.

Den britischen, aber auch den europäischen Bürgern haben diese Politiker ein Trojanisches Pferd hingestellt. Wir lernen daraus: Fürchtet die Populisten, selbst wenn sie Geschenke tragen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-07-04 16:56:05
Letzte ─nderung am 2016-07-04 18:02:59



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